Brandenburg – Schock für die Milchbauern in der Region: Deutschlands wohl bekanntester Hersteller von Milchmischgetränken und Joghurtprodukten will offenbar seine Lieferverträge kündigen – und das bereits zum März 2027. Der brandenburgische Landesbauernverband (LBV) spricht von einem harten Schlag.
Konkret geht es um die Molkerei Müller, die vor allem für ihre Müllermilch-Produkte bekannt ist. Betroffen sind laut LBV Milchlieferanten in Nord- und Ostbrandenburg. Es handele sich um Betriebe nördlich von Berlin, die den Müller-Standort in Leppersdorf bei Dresden belieferten. Zuerst hatte der „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ (RBB) darüber berichtet.
Das sagt der Bauernverband
Gegenüber BILD erklärt LBV-Sprecherin Meike Mieke: „Es ist etwas Vorsicht geboten, da es um betriebswirtschaftliche Verhandlungen zwischen den Vertragspartnern geht. Fakt ist aber, dass die Molkerei Müller einigen Lieferanten in Ost- und Nordbrandenburg die Verträge kündigen möchte.“ Vergangene Woche seien die betroffenen Milchbauern darüber mündlich informiert worden. Strategische Gründe hierfür seien genannt worden.
Was hinter den Kündigungen steckt
Dafür hat die LBV-Sprecherin sogar Verständnis: „Das Unternehmen Müller leidet – wie derzeit viele andere Firmen – unter anderem unter den exorbitanten Kosten für Benzin, Energie und Betriebsmittel. Man musste da offenbar eine Spar-Entscheidung treffen, um Kilometer für den Milchtransport einzusparen.“ In der Ostprignitz seien ihr konkret drei mittelgroße Betriebe (400 bis 800 Kühe) bekannt, von denen sich Müller trennen möchte.
Was das für die Landwirte bedeutet
Mieke betont: „Milch produzierende Betriebe planen im Dreijahres-Rhythmus. Ein stabiler Abnahme-Vertrag gehört dabei zur sicheren Planung der Milchbauern.“ Sollten die Verträge jetzt so kurzfristig gekündigt werden, dann seien die Betriebe in Brandenburg in ihrer Existenz bedroht.
Auf BILD-Anfrage betont Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM): „Reine Milchviehbetriebe haben nur die Milch als Einnahmequelle!“ Als Grund für die angeblichen Müller-Pläne vermutet er die aktuell günstigen Preise: „Seit geraumer Zeit ist zu viel Milch auf dem Markt. Das hat dazu geführt, dass man frei handelbare Milch billiger bekommt als die vertraglich gebundene. Und das nutzt offenbar das Molkerei-Unternehmen, um Kosten zu sparen.“
Lebensmittelkonzern schweigt
Laut Foldenauer sind die Erzeugerpreise um fast 30 Prozent zurückgegangen. Das freut zwar den Kunden im Supermarkt, nicht aber den Milchbauern, der ebenfalls mit steigenden Kosten zu kämpfen hat. Die im bayerischen Fischach beheimatete Unternehmensgruppe Theo Müller wollte sich gegenüber BILD bisher nicht zu den Medienberichten über die angeblichen Kündigungspläne äußern. Anfragen per E-Mail blieben unbeantwortet.