Troisdorf – Stellen Sie sich vor, Sie bewerben sich um einen neuen Arbeitsplatz. Und mitten im Vorstellungsgespräch strecken Sie den Mittelfinger der rechten Hand aus, fuchteln damit in der Luft herum – und halten das für das Normalste der Welt. Ob das Ihre Chancen auf den Job gerade maßgeblich erhöht hat?
Tim Achtermeyer (32) hat genau auf diese Strategie gesetzt. Der Landtagsabgeordnete aus Bonn ist seit 2022 einer der beiden Landesvorsitzenden der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Am Samstag trat er in Troisdorf zum zweiten Mal zur Wiederwahl an. In seiner Bewerbungsrede spricht er von Hoffnung, Mut und „Lust auf Politik, auf Veränderung“. Er lobt die schwarz-grüne Regierung in Düsseldorf und kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU).
Dann wettert er gegen die Männer im Kreml und im Mullah-Regime im Iran, die ihr Volk unterdrücken und andere Länder von ihren Öl- und Gasvorkommen abhängig machen. Und Achtermeyer holt den Stinkefinger raus: „Wir stellen noch eine Windenergieanlage in die Landschaft als ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Iran.“ Die Folge: frenetischer Jubel im Publikum, langer Schlussapplaus – und ein herausragendes Wahlergebnis.
Achtermeyer wird mit 91,2 Prozent zum Landesvorsitzenden gewählt. 2022 hatte er noch 82 Prozent, 2024 dann bereits 88,5 Prozent der Stimmen erhalten. Auch seine Co-Vorsitzende Yazgülü Zeybek (39) konnte mit 85,1 Prozent ihr Ergebnis verbessern. Gegenkandidaturen gab es nicht.