TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Houston – Nach einem tödlichen Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in der texanischen Metropole Houston haben Augenzeugen den beteiligten Beamten schwer belastet. Dieser sei in keiner Weise bedroht worden und habe den Mexikaner Lorenzo Salgado Araujo († 52) durch das Beifahrerfenster erschossen, sagten die drei anderen Insassen des Wagens laut ihrem Anwalt Hugo Balderas-Ibarra.

Das US-Heimatschutzministerium hatte zuvor erklärt, Salgado Araujo habe Anweisungen missachtet und versucht, einen Beamten mit seinem Fahrzeug zu rammen. Daraufhin habe der Beamte in Notwehr geschossen. Weil der Beamte und seine Kollegen keine Körperkameras getragen hatten, fehlen jedoch Aufnahmen von der Konfrontation, die zum Tod des Mexikaners führte.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. In ähnlichen Fällen hatten zuvor Videoaufnahmen der Einsätze erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Behörde aufgeworfen.

Todesopfer war gar nicht das Ziel der ICE-Agenten

Der Handwerker war mit seinen Arbeitern am Dienstag in einem weißen Van unterwegs, als es zu dem Zwischenfall kam. Der Mann hatte keine Vorstrafen und lebte seit 35 Jahren in den USA. Laut der Kongressabgeordneten Sylvia Garcia (75) suchten die Agenten gar nicht nach ihm, sondern nach jemand anderem in dem Wagen.

Das habe ihr der amtierende Direktor der Migrationsbehörde ICE, David Venturella, in einem Gespräch gesagt, teilte Garcia auf der Plattform X mit. Dennoch sei er von Beamten ohne Uniform getötet worden, ohne Aufnahmen von Körperkameras und „ohne Antworten für seine Familie“.

Wie das Ministerium zuvor mitgeteilt hatte, waren die Beamten auf dem Weg zu einem Verdächtigen, als sie Salgado Araujo anhielten, weil er der gesuchten Person ähnlich sah. Ob es sich tatsächlich um eine Verwechslung handelte, ließ das Ministerium offen.

Die drei anderen Insassen wurden festgenommen. „Nachdem ich mit diesen Männern gesprochen habe, habe ich keinen Zweifel daran, dass das, was sie sagen, der Wahrheit entspricht. Ich weiß, dass diese Agenten – die Behörde – versuchen werden, die Sache zu vertuschen“, sagte Rechtsanwalt Balderas-Ibarra bei einer Pressekonferenz.