Wernigerode (Sachsen-Anhalt) – Volles Haus, viel Applaus, Gelächter im Saal. Zwei Wochen vor der Landtagswahl erlebt die CDU im Harz einen Abend, wie man ihn sich im Wahlkampf wünscht: Rund 500 Zuhörer kommen ins HKK‑Hotel in Wernigerode, um Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (59) zu erleben. Der CSU-Chef macht schnell klar, worum es in diesem Wahlkampf vor allem geht: die Wirtschaft. Arbeitsplätze, Energiepreise, Bürokratie, Investitionen. „Ich unterstütze euren Ministerpräsidenten“, sagt er über Sven Schulze (47). Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es wichtig, einen Regierungschef zu haben, „der von Wirtschaft eine Ahnung hat“.
„Aus Brüssel kommt jede Woche eine neue Idee“
„Ich finde, der Osten muss in Deutschland eine größere Rolle spielen“, sagt Söder. Und legt nach: „Ich würde gern weniger Länderfinanzausgleich nach Berlin geben, sondern lieber dorthin, wo man gut wirtschaften kann.“ Solche Sätze kommen an. Immer wieder lockert Söder seine politischen Botschaften mit Humor auf. Über die EU spottet er: „Aus Brüssel kommt jede Woche eine neue Idee.“ Wenig später folgt die nächste Spitze: „Wenn ich ChatGPT frage, bekomme ich freundlichere Antworten als von einer Behörde.“
Besonders scharf fällt Söders Kritik an der AfD aus. Die im ARD-Sommerinterview von AfD-Chefin Alice Weidel (47) erneuert gestellte Forderung nach einem Ausstieg aus Euro und Schengen nennt er „das schlimmste wirtschaftliche Schredder-Programm, das wir machen können“.
„Leistung wird bei uns verteufelt“
Als Söder über Leistung und Handwerk spricht, hat er den Saal endgültig auf seiner Seite. „Dass bei uns der Begriff Leistung so verteufelt wird, ist eines der Grundprobleme Deutschlands“, sagt er. Wer mehr leiste, müsse am Ende auch mehr davon haben. Dann schlägt er den Bogen zum Handwerk: „Master und Meister sind mindestens gleichwertig.“ Der Nachsatz sorgt für Gelächter und Applaus: „Wobei ich noch keinen Meister gesehen habe, dem ein Plagiat nachgewiesen werden konnte.“
„Welches Land will die AfD denn zurück?“
CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze nimmt eine der zentralen Parolen der AfD ins Visier. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) wirbt mit dem Satz: „Ich möchte mein altes Land zurück.“ Schulzes Gegenfrage: „Welches Land meinen die eigentlich?“ Die 90er-Jahre mit Massenarbeitslosigkeit und fehlenden Ausbildungsplätzen? „Oder gar die DDR?“ Schulze erinnert an den Brocken vor den Toren Wernigerodes: sichtbar für alle, zu DDR-Zeiten aber unerreichbar. „Wir wollen weder zurück in die 90er-Jahre noch zurück in die DDR“, sagt er unter großem Beifall.
Wirtschaft statt Ideologie, Leistung statt Blick zurück: Diese Botschaft ziehen Schulze und Söder durch den Abend. Der eine wirbt als Spitzenkandidat um Vertrauen für Sachsen-Anhalt, der andere liefert den Rückenwind aus Bayern. Diese Mischung kommt beim Publikum an.