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Deutschland ist gespalten wie nie. Wir streiten über Migration, Sicherheit, Bildung, Antisemitismus. Welche Werte unser Land zusammenhalten. Selbst darüber sind wir uns längst nicht mehr einig. Gerade jetzt braucht Deutschland einen herausragenden Bundespräsidenten!

Man könnte also erwarten, dass es eine ernsthafte Diskussion gibt über geeignete Kandidaten der Regierungsparteien. Doch stattdessen erleben wir: dröhnendes Schweigen.

Aber wäre Markus Söder nicht frühzeitig mit seinem Vorschlag für Ilse Aigner vorgeprescht, gäbe es bis heute keinen einzigen offiziell ins Spiel gebrachten Namen. Dafür gebührt ihm Lob.

Dass ausgerechnet die Chefs von CDU und SPD, die so viel Vertrauen verloren haben, diese Entscheidung offenbar unter sich ausmachen wollen, finde ich absurd.

1993 schlug Bundeskanzler Helmut Kohl den sächsischen Justizminister Steffen Heitmann als Bundespräsidenten vor. Dessen Äußerungen über Nation, Ausländer und die multikulturelle Gesellschaft lösten heftige Diskussionen aus. Heitmann zog seine Kandidatur zurück.

Staatsoberhaupt wurde Roman Herzog – einer der bedeutendsten Bundespräsidenten, die unser Land je hatte. Ein Mann, der Deutschland mit seiner berühmten Ruck-Rede aufweckte.

Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt. So steht es im Grundgesetz. Das soll auch so bleiben. Aber wir Bürger müssen vorher die Chance haben, uns eine Meinung über die Kandidaten zu bilden. Wofür stehen sie? Welche Haltung haben sie zu den großen Problemen unseres Landes? Was verstehen sie unter Freiheit, Toleranz und Verantwortung? Das braucht Zeit – und die Wahl findet doch schon im Januar statt.

Merz will sich demnächst im CDU-Präsidium äußern. Also wieder hinter verschlossenen Türen. Nein, Herr Bundeskanzler, diese Debatte gehört in die Öffentlichkeit! Es geht schließlich um den Menschen, der unser Land in den kommenden fünf Jahren repräsentieren und zusammenhalten soll.

Sonst können Sie mit Söder und Klingbeil zu Weihnachten gleich als die Heiligen Drei Partei-Könige auftreten und uns Ihren Kandidaten bescheren.