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Liebe Trinkpause, zum ersten Mal bist Du offiziell am 29. Juni 2014 aufgetaucht, beim WM-Achtelfinale zwischen den Niederlanden und Mexiko. Diese WM fand in Brasilien statt, die Temperatur beim Spiel betrug 34 Grad.

Ein Arbeitsgericht in Brasilien hatte verfügt, dass es ab 32 Grad so eine Pause geben muss. Jetzt aber machen sie bei jeder Temperatur so etwa in Minute 22 Pause, wegen der Werbekunden natürlich.

Die Regel „ein Spiel hat zwei Halbzeiten und dauert 90 Minuten“ gilt nicht mehr. Jetzt gibt es vier Viertel. Es hat sich herausgestellt, dass die Mannschaft, die im ersten oder dritten Viertel schwach spielt, von der Trinkpause fast immer profitiert. Sie kommt stärker zurück. Ist ja klar. Der Trainer hat Gelegenheit, Fehler anzusprechen und Korrekturen vorzunehmen.

Wer in Minute 20 auf einmal so richtig in Fahrt kommt und das berühmte „Momentum“ besitzt, also Rückenwind, war früher der King. Jetzt ist er Besitzer der weltweit gefürchteten „Arschkarte“.

Fußball ist leider ein neues Spiel geworden, mit einem anderen Rhythmus. Im Journalismus gab es früher übrigens auch bei jeder Temperatur ständig Trinkpausen. Aber Wasser wurde da nicht getrunken. Nach der dritten Trinkpause haben wir Journalisten voll auf Angriff gespielt, nach der fünften Trinkpause wurde man milde und verständnisvoll und nach der achten Trinkpause waren alle irgendwie melancholisch.

Vielleicht führen die Landesmedienanstalten deshalb bald auch wieder Dich, Trinkpause, im Journalismus ein. Acht am Tag, damit wir immer lieb sind, ganz easy und schläfrig. Man sieht sich, Dein Harald Martenstein

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