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Sie sind in der autonomen Szene von Berlin bekannt wie ein bunter Hund; HG, 67, ein lebendes Denkmal des rebellischen Kreuzberg. Ihren Kiezladen M 99 gibt es seit Jahrzehnten. In dieser Zeit wurde er genau 54 Mal von der Polizei durchsucht.

Weil ein Vermieter Sie vertreiben wollte, wurde für Sie in Kreuzberg sogar demonstriert. Zum Angebot Ihres Ladens gehört antikapitalistischer „Revolutionsbedarf“, zum Beispiel in gedruckter Form. Oder als Vermummungshilfe für Demos.

Am 7. Oktober stürmten Jungs Ihren Laden, sechs oder acht, manche wohl erst 10, andere 15. Sie schlugen Sie, besprühten Sie mit Pfefferspray, brüllten „Hurensohn“.

Seit einem Unfall sitzen Sie im Rollstuhl. Es gibt Fotos Ihrer Kopfwunde, sieht schlimm aus.

Warum das alles? Sie hatten ein Plakat im Fenster. Darauf stand ein aktueller Songtext des Popstars Boy George: „We will dance again“. Sein Text enthält den Satz: „Ich stehe auf der Seite der Juden.“

Am 8.10. kamen die Jungs wieder, sie brüllten: „Bist du Jude?“ Wer weiß, wie oft sie noch kommen.

Im Kreuzberger Kiez gibt es neue Chefs. Judenhass ist bei ihnen Gesetz. Am 7. Oktober wird gefeiert, Auftakt zur Judenjagdsaison! Ihr Laden muss jetzt von der Polizei geschützt werden.

Wie kommen Sie damit klar? Der Traum von Anarchie ist aus, und dunkle Wolken ziehen auf.

Herzlich

Harald Martenstein

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