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Lieber Gerhard Schröder,

wenn ich mit Leuten rede, höre ich oft: Schröder war der letzte richtig gute Kanzler. Auffällig oft sagen so etwas Menschen, die früher viele Jahre lang SPD gewählt haben.

Sie sollten das wissen. Für Ihre Partei sind Sie eine Unperson. Aber sehr viele Leute lieben Sie.

Ihre Agenda 2010 war die letzte große Reform, die zugunsten der Wirtschaft gemacht wurde. Sie haben nicht nur Wohlstand umverteilt, sondern auch etwas für den Wohlstand der Zukunft getan. Ihrer Nachfolgerin haben Sie ein Land mit guter Infrastruktur, innerem Frieden und kraftstrotzenden Unternehmen übergeben. Sie haben Deutschland aus dem Irak-Krieg herausgehalten.

Sie waren keiner, der im Zickzack fährt, heute so, morgen so, je nach Meinungsumfragen. Sie sind ein Typ wie Olli Kahn, der Torwart. 2003 hatte Bayern München gegen Schalke 04 mit 0:2 verloren. Der Reporter Tom Bartels fragte nach dem Spiel Olli Kahn: „Was hat Bayern heute gefehlt?“ Kahn antwortete: „Eier.“

Sie waren der Olli Kahn unter den Kanzlern. Ein Macho. Aber einer, der im entscheidenden Moment das Richtige tut. Später haben Sie auch ein paar Fehler gemacht. Aber als Kanzler waren Sie groß. Sie hatten Eier.

Die SPD hat das vergessen. Die anderen Menschen aber haben es nicht vergessen. Sogar, als Sie abgewählt wurden, stand die SPD noch bei 34,2 Prozent. So viel bekam sie nie wieder. Nicht mal annähernd. Harald Martenstein

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