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Falscher Einwurf? Bei Markus Lanz (57) rollte plötzlich ein fremder Ball über das Spielfeld: Auf einmal ging es nicht mehr um Bundestrainer Julian Nagelsmann (38), sondern um Bundeskanzler Friedrich Merz (70). Und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, beide CDU).

Die Vorlage lieferte Ex-Innenminister Thomas de Maizière (72, CDU) mit einem emotionalen Befreiungsschlag: „Ich lasse mir die Fußballfreude nicht nehmen“, erklärte er fast ein wenig grimmig zum ersten Vorrundenspiel der Deutschen bei der WM 2026. „Gestern haben 23 Millionen Menschen das erste Spiel gesehen, was nicht das wichtigste der deutschen Fußballgeschichte war. Also irgendwie packt Fußball noch. Und warum auch nicht!“

„Vielleicht ist es auch eine Art Hoffnung, Rettungsring, der letzte Strohhalm“, vermutete Lanz, „die Ablenkung, nach der wir alle so dürsten. Oder es ist so, wie Sie beschrieben haben: Da finden wir das noch, was wir eigentlich als Land dringend bräuchten.“ Aber, so der Talkmaster gleich weiter: „Was auffällt: Es gibt ganz wenige deutsche Spitzenpolitiker, die da gerade in Amerika zu sehen sind.“

Merz und Wüst bei der Fußball-WM in den USA? Möglich!

Eine plausible Begründung dafür lieferte „Table-Media“-Journalist Michael Bröcker (49): „Es gab eine Entpolitisierung nach diesen überpolitisierten Katar-Spielen“, stellte er fest. „Friedrich Merz will aber wohl kommen, wenn sie es ins Halbfinale schaffen, man will ja dann bei den Gewinnern sein.“ Auch NRW-Ministerpräsident Wüst werde sich auf die Fußballsocken machen. Bröcker: „Er ist Anfang Juli in den USA, zufällig. Er könnte dann am 4. oder 5. Juli, wenn er zufällig in New York oder Washington ist, natürlich auch zu einem Spiel der Deutschen im Achtelfinale kommen. Das kann man natürlich gern machen, das sind alles Fußballfans. Ich will nur sagen: Es hat immer auch eine politische Note.“

„Ich bin als Innenminister für ein Spiel nach Brasilien geflogen, in den Süden“, erinnert sich de Maizière und beklagt „ein wirkliches Problem“. Denn: „Fährt man nicht hin, heißt es, wo sind die denn? Fährt man hin, heißt es: Ist das wirklich nötig, für ein Spiel da hinzufahren, und was kostet das?“ Markus Lanz zu dem Ex-Minister nur halb im Ernst: „Es ist Ihre CDU, die dann den nächsten Ärger an der Hacke hat.“ De Maizière angriffslustig: „Weil Herr Wüst dorthin fährt? Ich bitte Sie. Das ist diese Hysterie. Können wir mal auf die Sachthemen kommen?“ Lanz blieb am Ball: „Die Frage, wer demnächst Kanzler wird, wäre ein Sachthema, das uns interessieren würde.“ Doch de Maizière grätschte den Talkmaster cool ab: „Das finde ich kein Sachthema, das ist eine Personalfrage.“

WM-Auftritt = schlechte PR?

Zum Schluss spielte Lanz einen Videocall des Bundeskanzlers bei der Nationalelf ein: „Das wirkt wie eine Panikreaktion, als er gehört hat, dass Hendrik Wüst dann dort auflaufen wird“, kommentierte der Talkmaster launig. In der kurzen Szene sagte Merz zu Nagelsmann: „Ganz Deutschland drückt euch die Daumen.“ Nagelsmanns Antwort: „Die Unterstützung brauchen wir aus Deutschland.“ Und Merz wie mit einem Seufzer: „Ich auch!“ De Maizière noch einmal auf Attacke: „Was ist daran zu beanstanden?“ Lanz: „Nix. Sehr nett, sehr empathisch, sehr entertainisch, ganz locker, flockig. Aber wie groß ist denn die Gefahr, dass die CDU demnächst die nächste Debatte an der Hacke hat?“

Bröcker zum Schluss: „Es war ja die Politik, die die WM in Katar politisiert und den Fußball nicht hat Fußball spielen lassen. Also wenn’s passt, ist Angela Merkel gern in der Kabine gewesen. Im Moment ist eine Fußball-WM in den USA, diese Verbindung Trump-Infantino, diese Gigantomanie, die Preise natürlich nicht das ideale Umfeld für einen Politiker.“