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Guben/Heidelberg – Mit seinen „Körperwelten“-Ausstellungen machte er das Innere des Menschen für Millionen sichtbar. Jetzt ist Gunther von Hagens tot. Der Erfinder der Plastination starb am 24. Juli im Alter von 81 Jahren. Wie seine Familie bestätigte, war der an Parkinson erkrankte Mediziner und Unternehmer einen Tag zuvor wegen einer Gehirnblutung in eine Klinik in Heidelberg eingeliefert worden.

Mit der von ihm entwickelten Plastination revolutionierte von Hagens die anatomische Lehre. Das Verfahren, das er 1977 an der Universität Heidelberg entwickelte, macht biologische Präparate dauerhaft haltbar. Weltweit sorgte die Methode für Aufsehen – und immer wieder auch für heftige Debatten.

Millionen sahen seine „Körperwelten“

Nach Angaben seines Unternehmens besuchten bislang mehr als 58 Millionen Menschen die „Körperwelten“-Ausstellungen. Dort zeigte von Hagens plastinierte menschliche Körper und Organe, um Anatomie und medizinisches Wissen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Für viele war er ein Visionär, für andere blieb seine Arbeit umstritten. Seine Ehefrau Angelina Whalley betonte nun, ihr Mann habe nie auf Sensation gesetzt. Sein Ziel sei gewesen, Menschen einen bewussteren Umgang mit ihrem eigenen Körper zu ermöglichen. S

Sein letzter Wunsch: selbst plastiniert werden

Schon zu Lebzeiten hatte von Hagens immer wieder erklärt, dass er nach seinem Tod selbst plastiniert werden wolle. Diesen Wunsch will die Familie nun erfüllen. Ob und wo sein plastinierter Körper später öffentlich gezeigt werden soll, ist bislang noch offen. Möglich wäre eine Präsentation im Plastinarium im brandenburgischen Guben, das von Hagens 2006 eröffnet hatte.

Vom DDR-Häftling zum weltbekannten Mediziner

Geboren wurde Gunther von Hagens am 10. Januar 1945 als Gunther Gerhard Liebchen im damaligen Alt-Skalden, heute Polen. Bekannt wurde er allerdings unter dem Nachnamen seiner ersten Ehefrau. 1968 geriet er in der DDR ins Visier des Regimes, nachdem er gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings protestiert und versucht hatte zu fliehen. Er wurde verurteilt und inhaftiert.

Zwei Jahre später kaufte ihn die Bundesrepublik als politischen Gefangenen für 40.000 D-Mark frei. Aus dem einstigen DDR-Häftling wurde später einer der bekanntesten deutschen Mediziner der Welt. Nun endet ein außergewöhnliches Leben – doch sein Werk wird bleiben.