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Krim (Ukraine) – Moskau droht auf der Krim ein Problem, das sich nicht mit Panzern lösen lässt: die Versorgung. Seit Wochen greift die Ukraine gezielt Brücken, Bahnstrecken, Straßen und Treibstofflager an. Ziel ist es nicht, die Halbinsel morgen zu erobern. Ziel ist es, Russland die Kontrolle über die Krim Schritt für Schritt immer teurer und schwieriger zu machen. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow (35) spricht offen über diese Strategie: Stück für Stück zerstört die Ukraine die Brücken und Straßen, die von den besetzten Gebieten auf die Krim führen. Dadurch könnte die Krim „in naher Zukunft“ von einer Halbinsel „zu einer Insel werden“, so Fedorow.

Tatsächlich gibt es erste Anzeichen, dass die Strategie Wirkung zeigt. Nach Angaben des von Moskau eingesetzten Gouverneurs ist der Verkauf von Kraftstoff an Tankstellen eingestellt worden. Seit 9 Uhr (Ortszeit, 8 Uhr MESZ) werde kein Treibstoff mehr verkauft, teilte Gouverneur Sergej Aksjonow (53) am Sonntag mit. Dies gelte auch für private Unternehmen – staatliche Firmen erhielten aber weiterhin Treibstoff, fügte er hinzu. „Kraftstoff wird ausschließlich an öffentliche Einrichtungen abgegeben, die für die kritische Infrastruktur und die Sicherheit der Republik Krim zuständig sind“, sagte Aksjonow.

Nach Angriffen auf eine Eisenbahnbrücke über den Nord-Krim-Kanal wurde der Bahnverkehr teilweise eingestellt. Selbst der kremlnahe Militärblogger Rybar räumte ein, die aktuelle Treibstoffkrise sei das Ergebnis eines „konsequenten Drucks auf die Versorgungsrouten der Halbinsel“.

Tourismuskrise auf der Krim

Das Institute for the Study of War (ISW) sieht auf der Krim inzwischen „wirtschaftliche Schmerzen“. Treibstoffengpässe, Verkehrsprobleme und Probleme im Tourismus belasteten die russische „Besatzungsökonomie“. Besonders betroffen sei der Tourismus: Laut dem Krim-Medium Inzhir Media wurden bereits rund 80 Prozent der Buchungen für Juni storniert. Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken schrecken offenbar viele Urlauber ab.

Versorgung wird schwieriger

Doch kann Kiew die Krim tatsächlich von Russland abschneiden? Russlandexperte Stefan Meister (50) sieht dafür bislang keine Anzeichen. Sichtbar seien vor allem „Benzinengpässe“, während die Lebensmittelversorgung offenbar weiter funktioniere. Das eigentliche ukrainische Ziel sei derzeit ohnehin nicht die unmittelbare Rückeroberung der Halbinsel. Vielmehr solle die Krim als russische „Logistikdrehscheibe“ und als Ausgangsbasis für Luftangriffe geschwächt werden. Ähnlich argumentiert Energieexpertin Tatiana Mitrova (51). Die ukrainischen Angriffe machten die Versorgung der Krim „sichtbar“ schwieriger und „teurer“. Von einer vollständigen Isolation könne jedoch keine Rede sein. Russland verfüge weiterhin über „alternative Versorgungswege“, Reserven und starke Anreize, die strategisch wichtige Halbinsel bevorzugt zu versorgen. Noch sehen die Experten also keine Gefahr für die russische Kontrolle über die Krim.