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Paris / Marseille – Diese ungezügelte Zerstörungswut kennt keine Grenzen mehr! Was als Schüler- und Studentenprotest für bessere Lernbedingungen begann, hat seit dem Wochenende längst nichts mehr mit politischen Forderungen zu tun. Friedliche Demonstrationen wandelten sich zu einer Welle aus Gewalt: Autos brannten, Steine flogen auf Polizisten, Hunderte Geschäfte wurden geplündert und Waren gestohlen. Auch Luxusgeschäfte wie Louis Vuitton und Christian Dior gerieten ins Visier der Angreifer.

Vermummte Schläger rammten am Sonntag ein Metalltor in die Glasfront eines Louis-Vuitton-Geschäfts in Marseille in Südfrankreich. Sie traten die Scheiben ein, stürmten das Luxusgeschäft und räumten die Regale komplett leer. Luxusartikel, teurer Schmuck, Designerkleidung. Zurück blieben Trümmerteile.

Dior-Laden in Paris verwüstet, Rolex-Uhren gestohlen

Verschiedene Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, zeigen Dutzende vermummte junge Männer, die Luxusgeschäfte stürmen. Auch von einem Christian-Dior-Geschäft in Paris ist die Tür zersplittert. Luxusartikel – oder was davon übrig geblieben ist – liegen auf dem Boden. In Marseille wurden Rolex-Uhren aus ihren Verpackungen gestohlen. Die zerstörte Ladenfront wurde mit Graffiti der extremen Linken beschmiert.

Von Bildungsprotesten zu Gewaltexzessen

Seit mehreren Wochen gehen die Menschen in Frankreich auf die Straße. Die Protestwelle starteten Schüler und Studenten, die Veränderungen im Bildungssystem fordern. Mittlerweile haben sich den jungen Demonstranten zahlreiche andere soziale Gruppen angeschlossen, darunter die berüchtigten Gelbwesten. Innenminister Laurent Nuñez (62) sprach von einer „signifikanten Mobilisierung der linksextremen Bewegung“. Unter den Randalierern seien demnach auch Mitglieder radikaler Gruppen wie der Antifa, der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) und der Gruppe Révolution Permanente (RP) – einer französischen trotzkistischen Gruppe aus dem linksextremen Spektrum.

Fast 2400 Festnahmen, 1000 verletzte Polizisten

Am Wochenende wurden fast 2400 Menschen festgenommen und 1000 Polizisten verletzt, davon sieben schwer. Allein in Paris wurden in der Nacht zum Montag 350 Menschen festgenommen. Mehrere Dutzend Verdächtige seien bereits in Untersuchungshaft.

Nach den schweren Ausschreitungen vom Samstag sprach Nuñez offen von einem „Kontrollverlust“ der Polizei in einigen Großstädten. Die Einsatzkräfte seien nicht auf so viele Randalierer und Plünderer vorbereitet gewesen. Am Sonntag bot Nuñez Präsident Emmanuel Macron (48) deshalb seinen Rücktritt an. Doch Macron wollte davon nichts wissen: Jetzt brauche es Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte, hieß es aus dem Élysée-Palast.

Für den französischen Einzelhandel haben die Ausschreitungen gravierende Folgen. Mehr als 2000 Geschäfte könnten nach Einschätzung des Industrie- und Handelskammertags landesweit betroffen sein. Rund 1500 Fälle waren bis Sonntagabend bereits registriert. Der Schaden geht laut Verbandspräsident Alain Di Crescenzo (64) in die Hunderte von Millionen Euro.