Berlin – Attest-Hammer für Millionen Deutsche: Die schwarz-rote Koalition um Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) plant, dass Arbeitnehmer bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauchen. Den gelben Schein müssen sich die Patienten dann selbst abholen, denn mit der telefonischen Krankschreibung soll Schluss sein. BILD wollte von Ihnen, liebe Leser, wissen: Krankschreibung mit Attest ab Tag 1 – eine gute Idee?
Das Ergebnis der Umfrage: 62 Prozent der 4943 Teilnehmer halten den Plan für schlecht (Stand: 3. Juli, 3 Uhr), 36 Prozent für gut. Zwei Prozent sind unentschlossen. BILD fasst nachfolgend einige Leser-Kommentare zum Thema ärztliches Attest zusammen.
Diese Leser sind gegen die Attestpflicht ab Tag 1
Markus S.: „Viele Unternehmen haben von dieser Regelung in der Vergangenheit Abstand genommen. Und das aus gutem Grund: Nur selten werden von den Ärzten gelbe Scheine für ein, zwei Tage ausgestellt. In der Regel schreibt der Arzt die komplette Woche krank mit dem Vermerk: ,Ruhen Sie sich aus. Und wenn’s wieder geht, dann können Sie ja schon früher wieder arbeiten gehen.‘ Die Fehlzeiten werden damit in den Betrieben nur weiter ansteigen.“
Michael L.: „Ich war viele Jahre ein Gegner davon, dass am ersten Tag ein Attest vom Arzt nötig ist. Nachdem ich nun aber einige Jahre in meinem Arbeitsumfeld gesehen habe, was von Arbeitskolleginnen und -kollegen daraus gemacht wurde – nämlich ein ‚Volkssport‘ (…) – habe ich meine Meinung geändert. (....) Die Kollegen dürfen natürlich die Arbeit mitmachen und haben noch mehr Stress. Dass nun das Resultat kommt und die Zügel angezogen werden, halte ich für völlig richtig.“
Viktor F.: „Die Praxen werden voller sein, höhere Ansteckungsgefahr, die Ärzte werden weniger Zeit für echte Kranke haben. Diejenigen, die heute ein bis zwei Tage blaumachen, werden sich beim Arzt in Zukunft direkt eine Woche krankschreiben. Ich glaube, dass es schlimmer wird.“
Simone N.: „Anstatt einen Tag krank zu sein, wird man dann gleich vom Arzt drei Tage arbeitsunfähig geschrieben. (...) Besser wäre es, pro Jahr nur sechs Wochen Lohnfortzahlung zu gewähren, egal ob es eine neue Erkrankung ist oder eine anrechenbare Erkrankung.“ Laut Meinung der Leserin nach verursachen diejenigen Mitarbeiter, „die immer wieder neue Erkrankungen haben und somit auf wesentlich mehr als sechs Wochen Lohnfortzahlung im Jahr kommen“, die hohen Kosten.
Udo D.: „Ich bin Arbeitgeber und kann bestätigen, dass diese typischen kranken Montage (Zufall, dass der Krankheitstag immer montags ist) absolut ausgenutzt werden. Leider zum Nachteil für die Mitarbeiter, die tatsächlich krank sind (...). Diese Reform ist längst überfällig!“
Diese Leser sind dafür
Manuela K.: „Ich finde es gut, da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass schnell von Kollegen ein K.o.-Tag eingeschoben wird, wenn die Motivation fehlt.“
Andy O.: „Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn jemand krank ist, dann ist er ab dem ersten Tag krank. Da ist es legitim, dass man auch direkt zum Arzt geht. Ist man selbst dafür zu krank, muss man den Notarzt rufen oder einen Hausbesuch anfordern. Wenn man sich nicht wohlfühlt oder nicht motiviert ist, arbeiten zu gehen, dann muss man den Chef um einen Tag Urlaub bitten. Egal ob bezahlt oder unbezahlt.“
Bernd K.: „Die Grundidee, dass es mehr Aufwand bedeutet ,krank zu feiern‘, ist in meinen Augen grundsätzlich richtig. Viele Statistiken belegen, dass der Krankenstand bei der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland hoch ist. Vielleicht auch der Empfehlung in Corona-Zeiten geschuldet, bei dem kleinsten Unwohlsein zu Hause zu bleiben.“
Chris A.: „Krank ist krank. Daher finde ich das (die neue Regelung, d. Red.) nicht schlimm. Ich hätte damit kein Problem: Unternehmen werden bestimmt auch mal Sonderregelungen machen. Wir leben gerade in einem Land, wo man sich aufregt, weil einem etwas Luxuriöses weggenommen wird. Wir müssen gerade auf Leistung schalten. Zudem: Kranktage kosten Geld!“
Gero G.: „Das ist nur fair! Wenn ich als Selbstständiger am Montag ‚blau mache‘, verdiene ich kein Geld. Warum soll es bei Angestellten einen (freien) Montag geben, nur weil zu viel gefeiert wurde?“
Petra S.: „Ich weiß gar nicht, wieso sich jetzt wieder alle darüber aufregen. Es ist doch in den meisten Betrieben schon heute so, dass eine AU bereits am ersten Tag vorgelegt werden muss.“
Diese Leser sind unentschlossen – oder fordern sogar strengere Regeln
Benjamin S.: „Die Pläne gehen meiner Meinung nach nicht weit genug. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sollte nur bei Krankheiten über zwei Wochen greifen. Die ersten beiden Wochen sollten auf Kosten der Arbeitnehmer gehen. Ich bin selbst Arbeitnehmer und halte dies für fair. Die meisten Erkrankungen stammen aus dem Privatleben der Mitarbeiter, dann sollen sie auch selbst zahlen.“
Anne C.: „Natürlich ist das eine gute Idee. Eine noch bessere wäre: Die ersten drei Krankheitstage werden vom Urlaub abgezogen.“
Mathias B.: „Einen Königsweg gibt’s nicht. Wer genug herumjammert, der bekommt i.d.R. den Schein aus Bequemlichkeit oder Sicherheitsprinzip der Ärzte. (...) Hatte mal einen Kollegen, der sehr oft einen Tag krank war – bis der Chef ihn ermahnte, in Zukunft immer eine Krankschreibung einzureichen. Seitdem war es mit diesen Krankheitstagen vorbei. Man müsste schauen, bei welchem Mitarbeiter Häufungen auftreten. Das Gleiche bei Ärzten. Da so etwas aber wahrscheinlich nicht umsetzbar ist, hilft nur das Gießkannenprinzip.“
Gabriela R.: „Ich wäre für ein Jein! Auf der einen Seite werden es sich einige ‚Blaumacher‘ schon überlegen, ob sie zu Hause bleiben oder nicht. Auf der anderen Seite werden die, die zu Hause bleiben wollen, zum Arzt gehen und sich länger krankschreiben lassen. Den Vorschlag, für den ersten Tag kein Gehalt zu zahlen, befürworte ich – denn wenn es an den Geldbeutel geht, überlegt es sich der eine oder andere. Der Aussage, dass man sich im Wartezimmer ansteckt, widerspreche ich. Ob ich nun am ersten oder dritten Tag dorthin muss, ist völlig egal. Zudem gibt es ja immer noch die Möglichkeit, eine Maske zu tragen.“