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Krakau – Er ist mit seinem Auto in die Krakauer Altstadt gerast, hat auf Menschen auf dem berühmten Marktplatz geschossen und sechs von ihnen getötet. 15 Passanten wurden verletzt, darunter auch eine Person aus Deutschland. Jetzt ermitteln die Behörden, was den mutmaßlichen Attentäter Michał O. (24) zu seiner Tat trieb und ob er für drei weitere Tote verantwortlich ist.

Nach den tödlichen Schüssen flüchtete Michał O. mit seinem Wagen vom Marktplatz. An einer Kreuzung rammte der 24-Jährige ein anderes Auto. Als Polizisten ihn schließlich stoppen wollten, sprang er laut polnischen Medien aus seinem Wagen und eröffnete das Feuer. Es kam zum Schusswechsel, bei dem Michał O. und zwei Beamte schwer verletzt wurden.

Während der 24-Jährige im Krankenhaus behandelt wird, durchleuchten die Ermittler sein Leben und rekonstruieren die Stunden vor der Tat. Sie wollen wissen, warum er an diesem Samstagnachmittag mit Waffen und großen Mengen Munition nach Krakau fuhr.

Radikale Ansichten des Attentäters

Dabei schauen die Ermittler auch auf die politische Einstellung von Michał O. Innenminister Marcin Kierwiński erklärte, der mutmaßliche Attentäter habe „sehr radikale Ansichten“ vertreten. Alles deute darauf hin, dass er von rechtsextremer Ideologie fasziniert gewesen sei. Gleichzeitig betonte Kierwiński, diese Erkenntnisse müssten noch überprüft werden.

Die polnische Regierung stufte die Tat als Terrorakt ein. Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einem „grauenvollen Attentat auf das Leben der Menschen hier in Krakau“.

Bislang gehen die Behörden von einem Einzeltäter aus. „Es scheint, dass es einen Täter gab“, sagte Kierwiński. Im Wagen von Michał O. fanden die Ermittler zudem weitere Waffen und große Mengen Munition.

Eltern und Schwester tot in Wohnung gefunden

Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Ostrowiec Świętokrzyski machten die Polizisten einen weiteren grausigen Fund: Dort lagen die Leichen eines 53-jährigen Mannes sowie zweier Frauen im Alter von 52 und 21 Jahren. Bei den Toten handelt es sich um den Vater, die Mutter und die Schwester des Mörders. Wie die polnischen Zeitung „Fakt“ berichtet, soll die Familie durch Kugeln getötet worden sein.

Ob der 24-Jährige auch seine Eltern und seine Schwester ermordet hat, haben die Ermittler bislang nicht bestätigt. Jetzt müssen sie klären, was sich in der Wohnung vor seiner Fahrt nach Krakau abgespielt hat und wie die drei Todesfälle mit dem Anschlag zusammenhängen. Doch warum Michał O. zur Waffe griff, wissen die Ermittler noch nicht.

Nachbarn: „Er war ein bisschen seltsam“

Auch bei seinen Nachbarn galt Michał O. als verschlossen. „Er war ein bisschen seltsam. Er hat nie gesprochen“, sagt Nachbar Zdzisław Szostak der polnischen Zeitung „Fakt“. Nur selten habe der 24-Jährige gegrüßt, meist sei er mit über den Kopf gezogener Kapuze unterwegs gewesen. Eine andere Nachbarin beschreibt ihn als „distanziert“ und „traurig“: „Der Sohn war der Einzige, der nicht lächelte. Er trug Schwarz.“

Ganz anders seien seine Eltern gewesen, mit denen Szostak nach eigenen Angaben eng befreundet war. „Das waren fröhliche Menschen. Nicht so wie er.“ Vater und Sohn hätten allerdings eine gemeinsame Leidenschaft gehabt: Sie seien jeden Sonntagmorgen zum Schießstand gefahren. Dass sich in der Wohnung zahlreiche Waffen befanden, habe ihn deshalb nicht beunruhigt, sagt Szostak.