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Die Berliner CDU hätte schon nach dem Stromausfall im Januar die Reißleine ziehen müssen.

Ein Regierender Bürgermeister, der in der größten Stromkrise der Berliner Nachkriegsgeschichte durch schlechte Krisenkommunikation, ein heimliches Tennismatch, immer neue Widersprüche und arrogantes Auftreten auffällt, ist für den Wahlkampf eine Belastung.

Trotzdem hielten die Delegierten an Kai Wegner fest und kürten ihn im Juni mit fast 93 Prozent der Stimmen erneut zum Spitzenkandidaten für die Wahl am 20. September. Das sollte Geschlossenheit demonstrieren. Tatsächlich war es Realitätsverweigerung.

Die Berliner CDU wollte auf Nummer sicher gehen, jetzt kommt die Quittung. Der 'Tagesspiegel' hat diese Angaben der Senatskanzlei gerichtlich im Eilverfahren erstritten: Wegner telefonierte am ersten Tag des Stromausfalls nicht schon ab 8.08 Uhr, wie er selbst behauptet hatte. Das erste dienstliche Telefonat fand demnach erst um 12.45 Uhr statt.

Und kurz danach ging's erst mal zum Tennisspielen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat spätestens jetzt ein handfestes Glaubwürdigkeitsproblem. Es sind genau diese Vorgänge, die Wählern das Vertrauen nehmen – nicht nur in eine Partei, sondern in die Politik an sich. Das ist besonders in Zeiten, in denen extreme Kräfte links und rechts erstarken, mehr als fatal.

Die CDU muss sich jetzt fragen, ob sie mit einem Kandidaten in die Wahl ziehen will, dessen Name inzwischen vor allem mit Vertrauensverlust verbunden wird. Wer wenige Monate vor der Wahl nicht komplett untergehen will, braucht allerspätestens jetzt den Mut zu einer unbequemen Entscheidung.

Für die Berliner CDU bedeutet das: Kai Wegner darf nicht mehr ihr Spitzenkandidat sein.

Und wenn Kai Wegner den Berlinerinnen und Berlinern und seiner Partei einen letzten, guten Dienst erweisen will, tritt er als Bürgermeister zurück.