KI wird zum Treiber bei Stromverbrauch und Emissionen
Der weltweite Ausbau von Rechenzentren beschleunigt sich einer Studie zufolge durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich. Bis 2030 könne der Anteil von KI-Anwendungen am Stromverbrauch von Rechenzentren auf rund 40 Prozent steigen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Analyse des weltgrößten Kreditversicherers Allianz Trade. Aktuell seien es bereits 15 bis 20 Prozent. „Rechenzentren entwickeln sich von einer Randgröße zu einem strukturellen Treiber der Stromnachfrage in vielen Regionen“, sagte Allianz-Klimaökonom Patrick Hoffmann. Allianz Trade mit Hauptsitz in Paris ist aus dem früheren Unternehmen Euler Hermes mit Sitz in Hamburg hervorgegangen.
Die globalen Investitionen summierten sich den Angaben zufolge im vergangenen Jahr auf 580 Milliarden Dollar. Die installierte Kapazität werde bis Ende des Jahrzehnts voraussichtlich verdoppelt. Wie klimabelastend diese Entwicklung ausfalle, hänge entscheidend vom Standort ab. „Identische Rechenleistungen können je nach Strommix ein Vielfaches an Emissionen verursachen“, sagte Hoffmann. In Ländern wie Indien, Indonesien oder Malaysia würden mehr als 600 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde (kWh) ausgestoßen. In Norwegen und Schweden lägen die Werte bei unter 30 Gramm. Auch im Vergleich zu den USA (384 g) und China (526 g) zeige sich ein Vorteil.
„Europas vergleichsweise sauberer Strommix verschafft der Region eine strukturell gute Ausgangsposition für klimafreundliches KI-Wachstum“, sagte Hoffmann. „Deutschland gehört in Europa allerdings eher zu den Schlusslichtern.“ Hierzulande liegen die Emissionen durch den deutschen Strommix demnach bei 329 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde. Das sei zwar unter dem Niveau der USA und Chinas, aber deutlich höher als beispielsweise in Skandinavien. Grund sei der weiterhin hohe Anteil an Kohleverstromung (20,6 Prozent) und Biomassenutzung (zehn Prozent).
Tatsächlich dürften die Emissionen deutlich höher als bislang angenommen liegen. Für 2025 beziffert die Studie sie auf 286 Millionen Tonnen CO₂, was rund 57 Prozent mehr als frühere Schätzungen seien. Gut 70 Prozent entfallen auf den Stromverbrauch, während rund ein Viertel aus Hardware und Infrastruktur stammt. KI selbst verursacht demnach bereits heute 43 bis 60 Millionen Tonnen CO₂. Zugleich wächst ein weiterer Engpass: Rechenzentren verbrauchten 2025 weltweit rund 814 Milliarden Liter Wasser – bis 2030 könnten es bis zu 1,8 Billionen Liter sein.
Langfristig könnte KI aber zur Emissionsminderung beitragen. „KI hat das Potenzial, netto emissionsmindernd zu wirken – vorausgesetzt, ihre Effizienzgewinne skalieren schneller als der Ausbau der Infrastruktur“, sagte Hoffmann. Entscheidend ist dabei die Transformation der Energiesysteme: Der Schlüssel liege in sauberem Strom. Europa habe hier klare Vorteile – doch ohne konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien drohe dieser Vorsprung verloren zu gehen. „Die Weichen für klimafreundliche KI-Infrastruktur müssen jetzt gestellt werden“, sagte Hoffmann.