Berlin – Kaum auszusprechen, noch seltener gehört und doch soll es das schönste Wort der Welt sein. Eine internationale Jury kürte „Kaitiakitanga“ zum Sieger. Hinter den 13 Buchstaben verbirgt sich ein Begriff, für den es im Deutschen nicht einmal eine direkte Übersetzung gibt. Ausgesprochen wird das Wort ungefähr „Kai-ti-a-ki-tan-ga“. Es stammt aus der Sprache der Māori, der indigenen Bevölkerung Neuseelands. Es beschreibt die Verantwortung des Menschen, die Natur zu schützen und sie für kommende Generationen zu bewahren. Gemeint ist dabei weit mehr als klassischer Umweltschutz: Nach dem Weltbild der Māori ist der Mensch nicht Besitzer der Natur, sondern Teil von ihr – und damit ihr Hüter.
Die Auszeichnung wurde jetzt erstmals von der Sprachlernplattform Babbel vergeben. Für die Wahl wertete das Unternehmen Diskussionen in sozialen Netzwerken und Sprachforen aus. Eine internationale Jury aus Linguisten, Autoren und Kulturexperten kürte den Begriff zum Sieger. Insgesamt standen 223 Wörter aus mehr als 75 Sprachen zur Auswahl. Bei der Bewertung spielten nicht nur Klang und Aussprache eine Rolle. Entscheidend waren auch die Bedeutung des Begriffs, seine kulturelle Einzigartigkeit und die Frage, ob er eine Idee vermittelt, die Menschen weltweit bewegt.
Auch diese Wörter schafften es auf die Shortlist
Zu den weiteren Finalisten gehörten unter anderem das portugiesische „Saudade“ (tiefe Sehnsucht), das japanische „Ikigai“ (Lebenssinn), das walisische „Hiraeth“ (Sehnsucht nach einer verlorenen Heimat), das Zulu-Wort „Ubuntu“, das sinngemäß für Menschlichkeit und Gemeinschaft steht, sowie „Luftmensch“ aus dem Jiddischen. Der Begriff bezeichnet einen verträumten, idealistischen Menschen, der wenig Sinn für materielle Dinge hat und eher von Ideen als vom Alltag lebt. Ein deutsches Wort schaffte es dagegen nicht auf die Shortlist. Das Jiddische, das dort vertreten ist, gilt sprachwissenschaftlich trotz enger Verwandtschaft mit dem Deutschen als eigenständige Sprache.
Die Lieblingswörter der Deutschen
Bereits 2004 rief der Deutsche Sprachrat zur Wahl des „schönsten deutschen Wortes“ auf. Mehr als 22.000 Menschen aus 111 Ländern machten mit. Am Ende setzte sich „Habseligkeiten“ durch – vor „Geborgenheit“, „lieben“, „Augenblick“ und dem wohl klangvollsten Zungenbrecher der Top Fünf: „Rhabarbermarmelade“.