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Kassel (Hessen) – Während Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft jubelt, gilt im Kasseler Biergarten am Kulturzentrum Schlachthof eine klare Ansage: Fahnen bleiben draußen. Nicht nur Schwarz-Rot-Gold, sondern alle Nationalflaggen der 48 WM-Teilnehmer sind beim Public Viewing verboten.

Ein Fahnenverbot beim Public Viewing im Biergarten Boreal, während zwei Nationalitäten bei der WM gegeneinander spielen! Was soll das denn? Das fragen sich viele Fans und inzwischen auch die Politik. Kritisch sieht das Maximilian Bathon (35), Stadtverordneter der CDU-Fraktion im Kasseler Rathaus: „Da haben die sich ein ideologisches Eigentor geschossen“, sagt er zu BILD.

Kritik an Fahnen-Verbot aus der Politik

„Es geht nicht um Nationalismus, sondern um Patriotismus. Das Schöne ist, dass wir alle unsere Nationalität feiern dürfen. Sport bietet die Möglichkeit, gemeinsam und fair im Wettstreit gegeneinander anzutreten. Auch andere Länder dürfen ihre Nationalität bei uns feiern. Genau diese Freiheit macht unser Land aus“, so der Landtagsabgeordnete der CDU.

Und was sagen die Biergarten-Betreiber vom Boreal? Für eine Stellungnahme war der Schlachthof-Geschäftsführer Mirko Zapp am Dienstag nicht zu erreichen, äußerte sich aber in der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) und verteidigte die Entscheidung. Man wolle niemandem Nationalismus unterstellen. Fahnen könnten aber auf manche Gäste ausgrenzend, einschüchternd oder politisch aufgeladen wirken. Deshalb gelte die Regel für alle Länder gleich.

Unterstützung ohne Flaggen ausdrücken

Auf Instagram erklärt das Zentrum: Die Regel habe lange Tradition und sorge für eine friedliche Atmosphäre. Man betont: Die Entscheidung richte sich nicht gegen Deutschland, deutsche Fans oder andere Länder. Man unterstelle auch niemandem mit Fahne automatisch nationalistisches Denken. Für viele seien Flaggen bei großen Sportereignissen einfach ein Zeichen von Freude, Unterstützung und Zugehörigkeit.

Trotzdem hält das Kulturzentrum an der Regel fest. Als soziokultureller Ort mit Schwerpunkt Migration wolle man einen Raum schaffen, in dem sich Menschen aus verschiedenen Kulturen sicher und willkommen fühlen. Nationale Symbole könnten je nach Erfahrung unterschiedlich wirken. „Nationale Fahnen sind nicht per se problematisch, aber sie stehen heute in einem anderen gesellschaftlichen Kontext als beispielsweise noch während der WM 2006“, so das Kulturzentrum.