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Berlin – Die Affäre um Stolpersteine in Heidenau eskaliert jetzt bis in die Bundespolitik. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) stellt sich scharf gegen die Entscheidung der sächsischen Stadt (rund 16.500 Einwohner), Stolpersteine im öffentlichen Raum nicht zuzulassen – und verpasst auch der lokalen CDU eine heftige Abreibung. Dabei bemüht sie einen krassen Vergleich!

„Ein Verbot von Stolpersteinen wie in Heidenau ist in meinen Augen ein Skandal“, sagte Prien zu BILD. Wer Erinnerungsorte jüdischen Lebens auf Friedhöfe verdrängen wolle, mache Jüdinnen und Juden „noch einmal unsichtbar“.

Wie Prien ihre Kritik begründet

Prien begründet ihre Kritik ausführlich: Stolpersteine machten sichtbar, dass jüdische Menschen einst mitten in deutschen Städten und Dörfern lebten, arbeiteten, lachten und Familien gründeten, bevor sie von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die kleinen Messingplatten im Gehweg erinnerten tagtäglich an einzelne Schicksale und daran, welche Verantwortung Deutschland aus dem Holocaust ableiten müsse.

Ansage an CDU in Sachsen

Mahnende Worte findet die CDU-Politikerin mit Blick auf ihre Partei. „In dieser Verantwortung sehe ich auch die CDU in Sachsen“, sagt Prien. Nur wer seine Geschichte kenne und verstehe, könne daraus lernen und verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholten.

Auslöser der Debatte ist die Entscheidung in Heidenau, Stolpersteine im Stadtgebiet nicht zuzulassen. Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Cornelia Schmiedel (57), sagte, es gebe unterschiedliche Auffassungen in der Fraktion, jeder könne frei abstimmen. Sie selbst kündigte jedoch im Vorfeld die Zustimmung zum Antrag an, den ursprünglich von einem Bürgerbündnis stammt. Auf dem Antrag finden sich sowohl Unterschriften der örtlichen CDU als auch der AfD. Die Rechtspopulisten hatten das Thema einst überhaupt erst losgetreten.

Stolpersteine weg – und nun?

Stattdessen sollen Formen des Gedenkens auf dem Friedhof ermöglicht werden. Kritiker sehen darin eine Verdrängung der Erinnerung aus dem Alltag. Gerade die Idee des Künstlers Gunter Demnig besteht jedoch darin, dass Menschen im wahrsten Sinne des Wortes im öffentlichen Raum über die Namen der Opfer „stolpern“ und an sie erinnert werden.

„Stellt Sterben über das Leben“

Prien teilt diese Sicht ausdrücklich. „Wer Stolpersteine und Gedenkorte jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum auf den Friedhof verbannt, stellt das Sterben über das Leben“, sagt die Ministerin. Die Steine erinnerten nicht nur an die Ermordung der Opfer, sondern auch daran, dass sie Teil der deutschen Gesellschaft waren.

Prien erinnert an ihre jüdische Urgroßmutter

Ihre Ablehnung des Heidenauer Kurses begründet Prien auch persönlich: „Das lehne ich vehement ab, auch in Erinnerung an meine eigenen Urgroßmütter.“ Priens Urgroßmutter wurde von den Nationalsozialisten in Sobibor ermordet.