Berlin – Sie soll jetzt ins Machtzentrum der Bundesregierung einziehen: Gesundheitsministerin Nina Warken (47, CDU). Die Juristin soll auf den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei (52, CDU) folgen, der Unionsfraktionschef wird. Warken wird die erste Frau sein, die das Kanzleramt leitet. Ihre Berufung sorgt für mächtig Wirbel. Denn: Warken steckt mitten in grundlegenden Reformen – jetzt wechselt sie das Ministerium.
Wie tickt Nina Warken?
Warken ist schon lange in der Politik. Seit 1999 ist sie Mitglied der CDU. Von 2006 bis 2014 war sie Vize der CDU-Jugendorganisation Junge Union. Seit 2013 sitzt sie im Bundestag, von 2021 bis 2025 als eine der parlamentarischen Geschäftsführerinnen der Fraktion. Im Mai 2025 setzte sich die Juristin als Vorsitzende der Frauenunion durch, ist eine der mächtigsten Politikerinnen in der Union. Heißt: Warken weiß, wie Parlament und Partei ticken. Ein wichtiger Grund, warum sie das Kanzleramt übernehmen soll.
Das macht Warken privat
Warken ist mit dem Juristen Sebastian Warken verheiratet, hat drei Söhne. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Tennis, engagiert sich für das Technische Hilfswerk THW.
Was hat Warken als Gesundheitsministerin erreicht?
Warken kam als Innenpolitikerin fachfremd ins Amt – und peitschte in kurzer Zeit das größte Spargesetz seit Jahrzehnten durch den Bundestag. Damit sollen die Krankenkassenbeiträge in den kommenden Jahren nicht steigen. Patienten, Ärzte, Kliniken und Pharmaindustrie müssen allerdings mehr zahlen oder bekommen weniger Geld – das brachte ihr eine Menge Ärger ein. In der Bundesregierung verschaffte sie sich mit dieser resoluten Reform Respekt. Sie war die erste Ministerin, die eine große Reform durch Bundestag und Bundesrat brachte. Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) lobte Warken für ihre „wirklich hohe Professionalität“ und ihre „hohe Geschwindigkeit“. Lobbyisten schätzten an Warken, dass sie für Gespräche offen war und ihnen respektvoll begegnete.
Doch: Warken verabschiedet sich jetzt vorzeitig aus dem Amt – und lässt damit wichtige Gesetze liegen. In dieser Legislatur soll eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems beschlossen werden. Bis Dezember will eine Expertenkommission Vorschläge machen. Auch eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung steht an. Sie soll nach den Ost-Landtagswahlen im September beschlossen werden. Der erste Entwurf zeigt: Versicherte müssen sich auf harte Einschnitte einstellen.
Als Kanzleramtschefin braucht Warken viel Fingerspitzengefühl, Disziplin und Durchsetzungsvermögen: Sie muss Merz den Rücken freihalten, die Zusammenarbeit zwischen Kanzleramt und den Ressorts koordinieren, nationale Krisen managen und ist zudem für die Nachrichtendienste zuständig. Zu den größten Herausforderungen ihrer Arbeit zählt dabei nicht nur ein Koalitionspartner mit ganz eigener Agenda. Sondern auch der eigene Chef. Friedrich Merz gilt als impulsiv, prescht immer wieder mit unbedachten Äußerungen vor. Teil von Warkens neuem Job wird daher auch sein, das zerbrochene Porzellan, das er mitunter hinterlässt, wieder zu kitten.