Ganderkesee (Niedersachsen) – Seit mehr als 100 Jahren produziert die deutsche Traditionsfirma Atlas Baumaschinen, Mobil- und Raupenbagger sowie Ladekrane. Dann der Schock: Das Unternehmen meldete Insolvenz an, 400 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Eine Übernahme machte Hoffnung. Doch jetzt warnt die Gewerkschaft IG Metall vor Standort-Schließungen.
Am 6. Februar hatte die Atlas GmbH beim Amtsgericht Delmenhorst Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Auch andere Unternehmen der Atlas-Gruppe – die Atlas Spare Parts GmbH, Atlas FF, Atlas Group Services und Atlas Kompakt – sind betroffen. Die Tochterfirma Atlas Cranes UK (in Bradford, Großbritannien) ist kein Bestandteil des Insolvenzverfahrens.
Fachanwalt Hendrik Gittermann wurde als Sachwalter bestellt und gab sich positiv, was den Fortbestand des Unternehmens anging. Damals sagte er zu BILD: „Erste betriebswirtschaftliche Analysen liefern positive Hinweise auf die Erfolgsaussichten einer Sanierung.“
Was über den Verkauf bekannt ist
Während der Insolvenz liefen die Geschäfte des 1919 gegründeten Baumaschinen-Herstellers wie gewohnt weiter. Schließlich wurden alle betroffenen Teile der Unternehmensgruppe am 11. Juni durch die kanadische Firma Buhler Versatile aufgekauft. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Laut dem Fachportal bau.bi sind die Verträge bereits unterschrieben und warten nur noch auf behördliche Freigabe. Auch ein Sanierungsplan ist Voraussetzung für die endgültige Kaufabwicklung. Allerdings scheint der Investor genau diesen Plan der Öffentlichkeit bislang zu verschweigen. So wurde beim Kauf der Atlas-Gruppe offenbar nur vereinbart, einen „erheblichen Teil“ der Mitarbeiter zu übernehmen.
So viele Jobs könnten wegfallen
Die IG Metall warnt in einer eigenen Mitteilung vor dem möglichen Abbau von 200 Arbeitsplätzen. Das beträfe etwa die Hälfte der gesamten Belegschaft an den drei deutschen Standorten Ganderkesee, Vechta und Delmenhorst in Niedersachsen. Deshalb schlägt die Gewerkschaft jetzt Alarm, da es auch zur Schließung einzelner Standorte kommen könnte.
Gewerkschaftssekretär Arne Bischoff von der IG Metall Oldenburg: „Der Einstieg der Buhler Versatile ist ein wichtiges und grundsätzlich positives Zeichen. Kapital und langfristige Perspektiven sind dringend notwendig, um Atlas wieder auf stabile Füße zu stellen. Aber ein Neustart gelingt nicht, indem man Belegschaften ausdünnt und Know-how aus dem Unternehmen drängt.“
Das fordert die Gewerkschaft
Die Gewerkschaft will für den Fortbestand der Arbeitsplätze ihrer Mitglieder kämpfen – fordert zudem, dass sich das Unternehmen zukünftig dem Tarifvertrag anschließt. Martina Bruse, Geschäftsführerin der IG Metall Oldenburg: „Die Beschäftigten haben ein Recht darauf, zu wissen, wie es weitergeht. Wir erwarten Transparenz, Respekt und echte Mitbestimmung. Nur gemeinsam kann der Neustart der Atlas-Gruppe gelingen.“