TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Reykjavik – Die Insel im Nordatlantik hat sich entschieden: Island will keine neuen Beitrittsverhandlungen mit der EU. 52,8 Prozent der Einwohner stimmten laut Sender RUV beim Referendum mit Nein, 47,2 Prozent mit Ja. Besonders brisant: Die Abstimmung fand vor dem Hintergrund des Streits um Grönland statt. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach Ansprüche auf die riesige Insel im Nordatlantik angemeldet.

In Island hofften deshalb manche Befürworter, eine engere Bindung an Europa könne dem Land zusätzliche Sicherheit geben. Doch am Ende überwog eine andere Sorge: Viele Isländer fürchten die Folgen einer EU-Mitgliedschaft mehr als mögliche Spannungen mit Trump.

Deshalb stimmte Island gegen den EU-Beitritt

Vor allem die mächtige Fischerei-Branche machte mobil gegen eine Annäherung an Brüssel. Ihre Sorge: Die EU könnte künftig stärker Einfluss auf Fangquoten und nationale Entscheidungen nehmen. Die Gegner argumentierten zudem, dass Island bereits viele Vorteile genieße. Das Land ist Teil des europäischen Binnenmarkts und gehört zum Schengen-Raum. Gleichzeitig behält es wichtige nationale Kompetenzen und muss keine Souveränität nach Brüssel abgeben.

Warum in Island abgestimmt wurde

Die politische Stimmung hatte sich zuletzt verändert. Der Krieg in der Ukraine, eine hohe Inflation und steigende Zinsen führten bei vielen Isländern zu einem Umdenken. Auch Trumps wiederholte Äußerungen zu Grönland gaben den EU-Freunden Rückenwind. Die linksgerichtete Regierung hatte das Referendum sogar vorgezogen. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Island hatte nach der Finanzkrise 2009 einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Die Verhandlungen wurden jedoch 2013 gestoppt und 2015 von einer EU-kritischen Regierung endgültig beendet. Mit dem jetzigen Votum dürfte die Frage erneut für Jahre vom Tisch sein.

Die Botschaft aus Reykjavik ist deutlich: Selbst in Zeiten von Grönland-Krise und Trump-Drohungen reicht die Angst vor geopolitischen Unsicherheiten nicht aus, um die Vorbehalte vieler Isländer gegen einen EU-Beitritt zu überwinden.