Berlin – Zehntausende, teils gewaltbereite Islamisten leben in Deutschland. Für den Islamismus-Experten Ahmad Mansour (50) ist die Bedrohungslage alarmierend. „Das Problem ist riesengroß“, sagte er im Podcast mit BILD-Vize Paul Ronzheimer (41) und erhebt nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD schwere Vorwürfe gegen Politik und Justiz.
„Ein Gefährder, der versucht hat, Richtung IS auszureisen, der als Gefährder eingestuft wurde und trotzdem frei gelaufen ist, ein Auto mieten konnte und sogar einen Anschlag durchführen konnte, ist natürlich ein großes Versagen.“ Besonders scharf kritisiert Mansour, dass der mutmaßliche Täter trotz des Versuchs, sich dem IS anzuschließen, lediglich eine Bewährungsstrafe erhielt.
„Islamisten sind die besseren Sozialarbeiter“
Im Podcast schildert der Experte, wie er als Jugendlicher einst selbst zum Islamisten wurde. Er sei in der Schule gemobbt worden und habe Halt bei einem Imam gefunden. „Der Imam sagte im zweiten Unterricht schon: Ihr werdet die Welt beherrschen.“ Heute erkenne er dieselben Muster bei vielen jungen Muslimen in Deutschland: „Ganz viele, die Richtung Radikalisierung gehen, haben erst einmal eine persönliche Krise. Sie suchen nach Identität, nach Zugehörigkeit. Leider muss ich heute sagen: Die Islamisten sind die besseren Sozialarbeiter.“
Mansour warnt vor einem Netzwerk verschiedener islamistischer Akteure, die junge Menschen gezielt in den sozialen Medien radikalisieren und in Parallelgesellschaften ziehen. „Von da ist der Weg zu einem radikalen Weltbild sehr kurz.“
Auch die Reaktionen in arabischsprachigen sozialen Netzwerken bereiten dem Islamismus-Experten Sorgen. Dort hätten Tausende Nutzer den Anschlag gefeiert. Für ihn sei das „nicht überraschend und auch nicht neu“.
Harte Kritik an Politik und Verbänden
Muslimische Verbände müssten mehr tun als Anschläge zu verurteilen. „Ich brauche keine Presseerklärung von irgendeinem Verband.“ Solange in Moscheen Homosexualität als Sünde bezeichnet werde, fehle es an glaubwürdiger Prävention, so Mansour.
Der CSD-Attentäter war den Behörden bekannt, erhielt eine Bewährungsstrafe und sollte an einem Deradikalisierung Programm teilnehmen. Für Mansour ein Fehler: „Der sollte nach seiner Rückkehr für mindestens fünf bis sieben Jahre verurteilt worden sein. Dann hätte er diesen Anschlag nicht durchführen können.“ Deradikalisierung sei wichtig, „aber niemals eine Ersatzstrafe. Sie kann vor allem gut funktionieren, wenn sie im Gefängnis stattfindet.“
„Diese unkontrollierte Migration hat uns viele Probleme gemacht“, kritisiert Mansour weiter. Er fordert verpflichtende Integrationsvereinbarungen und Abschiebungen im Extremfall für Islamisten. Zugleich müsse klar zwischen Schutzsuchenden und Asylmissbrauch unterschieden werden.
Sein Fazit: „Ich befürchte, es wird nicht aufhören. Aber wir können enorm viel tun, diese Gefahren zu begrenzen.“