Herdecke (NRW) – Es ist 12.57 Uhr, als die Herdecker Bürgermeisterin Iris Stalzer (58, SPD) vor dem Amtsgericht Hamm vorfährt. Die Rathaus-Chefin steigt als Beifahrerin aus einem Wagen ihres Ehemannes, trägt ein weißes, sommerliches Outfit und eilt schnellen Schrittes in das Gebäude. Sie muss sich vor Gericht verantworten, weil ihre eigene Stadt sich gegen sie stellt: Nach BILD-Informationen strebt das Jugendamt an, dass der Bürgermeisterin das Sorgerecht für ihren Adoptivsohn (15) entzogen wird.
Vorangegangen war dem Termin am Gericht eine schwere Tat innerhalb ihrer Familie. Die Bürgermeisterin von Herdecke (Nordrhein-Westfalen) war am 7. Oktober im Keller ihres Hauses schwer verletzt worden. Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn ist überzeugt, dass die damals 17 Jahre alte Adoptivtochter die Frau mit einem Messer schwer verletzt hat. Danach alarmierte die mutmaßliche Täterin selbst den Rettungsdienst. Über die Messerattacke auf die Politikerin war bundesweit berichtet worden.
Jugendamt stellt sich gegen die Bürgermeisterin
Jetzt wird also über das Sorgerecht für ihren minderjährigen Adoptivsohn verhandelt. Besonders brisant: Mitarbeiter des Herdecker Jugendamtes sitzen dabei ihrer eigenen Chefin gegenüber. Die Behörde, die organisatorisch zur Stadtverwaltung gehört, vertritt in dem Verfahren eine Position, die der Bürgermeisterin entgegensteht.
Wann der Prozess gegen die angeklagte Adoptivtochter beginnt, ist noch nicht bekannt. Zunächst war auch gegen den Adoptivsohn von Stalzer ermittelt worden, da er zur Tatzeit ebenso im Haus war. Nach Überzeugung der Ermittler hatte er jedoch nichts mit dem Angriff zu tun.