Stuttgart (Baden-Württemberg) – Im Stuttgarter Marienhospital werden jährlich bis zu 30.000 Patienten behandelt. Jetzt ist es pleite. 3000 Mitarbeiter des Betreibers bangen um ihre Arbeitsplätze. Dazu gehören neben der bekannten Traditionsklinik zwei weitere Krankenhäuser und eine Therme.
Es ist eine Pleite, die einen Aufschrei auslöst. Der christliche Betreiber, die Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, meldete beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz an. Das Amtsgericht ordnete die vorläufige Eigenverwaltung an. Das Marienhospital gibt es schon seit 1890.
Was die Pleite für Patienten bedeutet
„Es ist sichergestellt, dass wir unsere Patientinnen und Patienten auch weiterhin vollumfänglich an allen Standorten behandeln“, sagt Interims-Geschäftsführer Jan Schlenker. Neben dem Marienhospital Stuttgart sind die Vinzenz Klinik, die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise-von-Marillac-Klinik in Bad Überkingen von der Insolvenz betroffen. Die insgesamt rund 3000 Mitarbeiter wurden bereits informiert.
Reaktionen auf die Insolvenz der Klinik
Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) forderte als Reaktion, die geplante Finanzreform der Gesetzlichen Krankenversicherung zu stoppen. „Diese Insolvenz ist ein letztes Warnsignal an den Bundestag, die Regelungen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes so nicht zu verabschieden“, erklärt BWKG-Vorstand Heiner Scheffold. Und weiter: „Die Ampel steht auf Rot!“ Wenn die Bundesregierung nicht sofort gegensteuere, sei die Versorgungssicherheit in vielen Regionen ernsthaft bedroht.
„Wenn sich ein für die Versorgung derart wichtiges Krankenhaus der Zentralversorgung gezwungen sieht, Insolvenz anzumelden, dann muss dies Konsequenzen haben“, erklärte der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Achim Brötel. Es müssten zuallererst die massiven Kürzungen verhindert werden, die der Bundestag in den nächsten Tagen mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschließen wolle.
Weitere Insolvenzen von Krankenhäusern befürchtet
„Angesichts der wirtschaftlich äußerst angespannten Situation sind weitere Insolvenzen von Kliniken zu befürchten“, teilte ein Sprecher des Landesgesundheitsministers mit. Auch versorgungsrelevante Häuser könnten betroffen sein. Das gilt bundesweit. Immer mehr Krankenhäuser geraten in Schwierigkeiten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt für das neue Jahr vor einer Pleitewelle in Kliniken.
Die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul hatte das Marienhospital 1890 gegründet. Das katholische Krankenhaus ist seit 1983 ein Zentrum für Schwerbrandverletzte in Baden-Württemberg. Unter anderem wurde dort auch ein Brandopfer der Feuer-Katastrophe von Crans-Montana (Schweiz) behandelt. Die Klinik verfügt über etwa 760 Betten. Rund 2000 Mitarbeiter behandeln die etwa 30.000 Patienten pro Jahr.