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Die Hamburger Craftbier-Szene steckt tief in der Krise. Insolvenzen, Schließungen und sinkender Bierkonsum setzen den Brauereien massiv zu. Jetzt gibt es immerhin eine gute Nachricht: Die Brauerei Landgang im Stadtteil Bahrenfeld ist nach ihrer Pleite gerettet. Doch für den übernommenen Standort in Kiel ist die Zukunft weiter offen.

Nach der Insolvenz der Craftbeer-Brauerei im März und der offiziellen Eröffnung des Verfahrens am 1. Juli steht fest: Landgang bleibt bestehen. Insolvenzverwalter Kévin Paul-Hervé Tanguy sagte dem Hamburger Abendblatt, dass ein Teil der bisherigen Investoren eine neue Gesellschaft gegründet hat und erneut investiert. „Der Name bleibt und die Brauerei bleibt auch“, sagte der Sanierungsexperte, der für BILD am Donnerstag leider nicht erreichbar war. Für die Kunden bedeutet das: Der Braubetrieb läuft weiter, auch die geplanten Veranstaltungen am Firmensitz im Beerenweg finden statt.

Was passiert mit dem Kult-Brauhaus?

Wie es mit der Kieler Kult-Brauerei Lille weitergeht, ist dagegen noch nicht ganz klar. Landgang hatte den Betrieb erst im Juli 2025 nach deren Insolvenz übernommen. Nun sollen beide Braustätten wieder getrennt werden. Ganz abgeschrieben ist der Kieler Standort aber nicht. Nach Angaben des Insolvenzverwalters gegenüber dem Hamburger Abendblatt laufen Gespräche mit einem möglichen Investor. Dieser wolle den Standort allerdings nicht ausschließlich zum Bierbrauen nutzen. Ob daraus eine Lösung entsteht, ist noch offen.

Wie es zur Insolvenz der Brauerei kam

Landgang war 2015 unter dem Namen Hopper Bräu gegründet worden und wird weiterhin von Braumeister Sascha Bruns geführt, der auch Gesellschafter des Unternehmens ist. Welche weiteren bisherigen Investoren an Bord bleiben, wollte der Insolvenzverwalter nicht sagen.

Schon vor der Übernahme des Lillebräus hatte die Brauerei mit schwierigen Geschäften zu kämpfen. Die Hoffnung: Gemeinsam größer werden und effizienter produzieren. Doch der Plan ging nicht auf. Statt der angestrebten 5000 Hektoliter pro Standort wurden in Hamburg zuletzt weniger als 3000 Hektoliter gebraut – und damit deutlich weniger als im Vorjahr.

Bierkrise in Deutschland

Die Probleme treffen nicht nur einzelne Brauereien. Der gesamte Biermarkt kämpft aktuell. Denn 2025 sank der Bierabsatz in Deutschland laut Deutscher Brauer-Bund auf rund 78 Millionen Hektoliter – ein historischer Tiefstand und sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch der Pro-Kopf-Verbrauch ist seit Jahren rückläufig: Trank jeder Deutsche 1995 noch durchschnittlich 136 Liter Bier im Jahr, sind es inzwischen weniger als 89 Liter. Als Gründe gelten die allgemeine Konsumzurückhaltung, ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein mit weniger Alkoholkonsum sowie die alternde Bevölkerung. Zwar wächst der Markt für alkoholfreies Bier weiter, er bleibt jedoch deutlich kleiner als der klassische Biermarkt.