Crans-Montana (Schweiz) – Beim Brand in der Schweizer Bar „Le Constellation“ verloren in der Silvesternacht 41 Menschen ihr Leben, 115 wurden schwer verletzt und zum Teil von entsetzlichen Brandwunden entstellt. Doch die Betreiber der Inferno-Bar, Jacques (49) und Jessica Moretti (40), wollen ihre beiden verbliebenen Restaurants wieder öffnen.
Diese Vorstellung ist für die Familien der Opfer der Tragödie von Crans-Montana unerträglich: Sie haben eine Petition gegen die Wiedereröffnung gestartet. „Man kehrt nicht zum normalen Geschäftsbetrieb zurück, solange Familien noch darauf warten, zu verstehen, wie ihre Angehörigen ums Leben gekommen sind“, heißt es in dem Aufruf.
Neues Unternehmen angemeldet
Die Morettis betreiben in Crans-Montana das Burger-Lokal „Le Senso“ und im Nachbarort das Restaurant „Le Vieux-Chalet“ mit korsischen Spezialitäten. Nach dem Brand in der Silvesternacht, der durch Feuerfontänen an Champagnerflaschen ausgelöst worden war, wurde den beiden Restaurants die Betriebserlaubnis entzogen. Doch am 25. Mai wurde unter der Adresse des „Vieux-Chalet“ ein neues Unternehmen angemeldet.
Dies bestätigt Morettis Anwalt Nicola Meier gegenüber BILD: „Ziel ist es, die betreffenden Vermögenswerte durch die Wiederaufnahme des Betriebs zu erhalten; andernfalls würden die Unternehmen in Konkurs gehen und die Vermögenswerte, die potenziell der Entschädigung der Opfer dienen könnten, gingen verloren.“
Gewinne sollen gespendet werden
Der Jurist berichtet von Morddrohungen im Zusammenhang mit der Petition: „Nichts rechtfertigt es, Herrn und Frau Moretti auf diese Weise anzugreifen.“ Sie würden ihre Betriebe an einen Dritten übertragen, der Miete zahlt und die Immobilien instand hält.
Anwalt Meier weiter: „Herr und Frau Moretti beabsichtigen, die aus dem Betrieb von ,Le Senso’ und ,Le Vieux-Chalet’ erzielten Gewinne an einen Verein zu spenden, der die Opfer des ,Constellation’-Brandes unterstützt. Sie haben sich somit entschieden, den Schmerz nicht zu verdrängen, sondern ihm mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu begegnen.“
Das Paar ist gegen eine Kaution von jeweils 200.000 Schweizer Franken auf freiem Fuß und muss sich regelmäßig auf der Polizeiwache melden. Die Ermittlungen laufen weiter. Zuletzt wurde gegen Jessica Moretti eine neue Untersuchung wegen Urkundenfälschung eingeleitet: Sie soll zur Herkunft des in Brand geratenen Schaumstoffes, der das Inferno entfachte, falsche Angaben gemacht haben.