10 Millionen Euro verschenken? Für Otto Gugger (89) war genau DAS die größte Erleichterung seines Lebens. Am 14. April setzte der Architekt seine Unterschrift unter einen Vertrag, den wohl die wenigsten Menschen unterschrieben hätten. Er gibt sein über 3000 Quadratmeter großes Grundstück samt Wohnhaus mitten in München ab – das ist der Grund.
Vielleicht braucht Deutschlands teuerste Stadt genau so jemanden: Otto, den Schenker. Denn Gugger verzichtet freiwillig auf ein Vermögen, damit sich Menschen mit normalem Einkommen das Leben in München auch künftig noch leisten können. „Ich habe das alles noch nie als meinen Besitz empfunden“, sagt er zu BILD. Schon als Kind habe er das Gefühl gehabt, das Grundstück sei ihm nur anvertraut worden. Er wollte immer etwas weitergeben.
Warum er das teure Grundstück verschenkt
Diese Haltung prägte sein Vater. Er war der erste Arzt in Großhadern und baute 1934 die Immobilie, in der Gugger bis heute lebt. Doch der Mediziner starb an einer Blutvergiftung, als Otto erst sechs Jahre alt war. Weil sein Vater bedingungslos für seine Patienten da war, sagt Gugger heute: „Das bin ich meinem Papa schuldig. Mit diesem Haus müssen wir etwas Gutes tun.“
Gemeinsam mit seiner demenzkranken Schwester (91), beide kinderlos, suchte er jahrelang nach einer Lösung. 2025 brachte ein Freund aus der Kirchengemeinde Gugger schließlich mit der Stiftung „Daheim im Viertel“ zusammen. Die gemeinnützige Privatstiftung kämpft gegen die extremen Mietpreise in München – schätzt den Marktwert des Anwesens auf 10 Millionen Euro.
Der nun mit der Stiftung geschlossene Vertrag sichert Gugger und seiner Schwester ein lebenslanges Wohnrecht im alten Doktorhaus. Gleichzeitig ist festgeschrieben: „In den nächsten 60 Jahren darf das Grundstück nicht verkauft werden. So nehmen wir es vom Markt“, so Gugger.
Kampf gegen den Mieten-Irrsinn in München
Wie sehr sich München verändert hat, zeigt für den Münchner eine einzige Zahl: „Mein Vater zahlte damals 20 Reichspfennig pro Quadratmeter (Anm. d. Red.: entsprach 2024 einer Kaufkraft von 1,08 Euro). Und heute können sich normale Menschen kein Grundstück mehr leisten.“ Aktuell kostet eine Neubauwohnung in München rund 25 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.
Von der Terrasse seines Hauses blickt Otto Gugger in einen großen, grünen Garten. Genau dort sollen 25 bis 30 Wohnungen entstehen – für Pflegekräfte, junge Familien, Studierende und eine betreute Wohngemeinschaft. Vor allem Mitarbeiter des benachbarten Klinikums sollen so wieder bezahlbaren Wohnraum finden.
Was jetzt mit dem Millionenanwesen passiert
Mitte August fällt die Entscheidung über den Entwurf. Baustart könnte 2027 sein. Ende 2028 sollen die ersten Bewohner einziehen. Das rund acht Millionen Euro teure Projekt soll laut Stiftung mit zwei Millionen Euro an Spenden unterstützt werden. Das Ziel: 70 Prozent der Wohnungen für rund 13 Euro pro Quadratmeter anbieten – also knapp die Hälfte der heutigen Münchner Neubaumieten. Die übrigen Wohnungen sollen rund 20 Prozent unter Marktpreis liegen. Damit etwas entstehen kann, das in München unbezahlbar geworden ist: ein Zuhause.