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Berlin – Es gibt Tage, an denen alles zusammenkommt. Wie an diesem Samstag in Berlin.

Am Morgen: Parteitag der radikalen Hauptstadt-Linken. Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen soll es geben. Die Machtfrage. Draußen demonstrieren Linksradikale und Israelhasser gegen die eigene Partei. Wenig später: Demos in ganz Deutschland. Junge Aktivisten und radikale Linke wollen die Protestwelle aus Frankreich herüberholen.

Die Linke sieht sich im Aufwind: Alles, was links ist, will sie sammeln. Bald geht es zum neuen Kampf hinaus! Plötzlich redet das Land, das mehrheitlich nicht links wählt, über die Ganz-Linke. Eine rote Welle rollt. Zwei Frauen reiten sie.

Die eine Loft-Beton-Kommunistin aus dem Osten, die andere Kiez-Sozialistin aus dem migrantischen Berlin. Ines Schwerdtner (37), Bundeschefin der Linken. Elif Eralp (45), Wahlsiegerin in Berlin.

Schwerdtner: Sachsen (geboren), Hamburg (aufgewachsen), Antifa (Jugend), Marxismus (Lebens-Obsession). Eralp: Tochter türkischer Voll-Sozialisten, die vor der Militärdiktatur flohen. Juristin, Berliner Spitzenfrau.

Beide Frontfrauen: Mütter. Über Eralps Mann weiß man wenig. Über Schwerdtners das: Robert Krotzer (39), introvertierter Hardcore-Kommunist (laut nur gegen das Kapital) mit Hang zu Mao-Anleihen. Ein Glaubensbruder aus Österreich. Genauer: Graz, wo echte Kommunisten in einer echten Stadt im Westen wirklich Macht haben – die Bürgermeisterin stellen! Schwerdtner: ein erklärter Fan SEINER Politik. Der Traum: Das auch für Berlin.

Das Netzwerk von Ines Schwerdtner

Ines Schwerdter, geboren im Wende-August 1989 in Werdau (Sachsen), verehrt Rosa Luxemburg, liebt einen Voll-Kommunisten: Robert Krotzer (39), Funktionär der Kommunistischen Partei Österreichs. Schrieb als Autorin fast nur für linke Hardcore-Postillen und Marxismus-Blätter, Mutter eines Sohnes. Weltbild: die runterrevolutionierte Hunger-Insel Kuba – „eine Inspiration“ (sagte sie jüngst auf einer Soli-Konferenz). Das Grundgesetz? Auslegungssache: „Wer die Verfassung schützen will, muss den Kapitalismus überwinden.“ Fans: Ex-Parteichefin Gesine Lötzsch (65, warb sie an), Ex-Fraktionschef Dietmar Bartsch (68).

Schwerdtner/Eralp – zwei Lebensgeschichten, ein Traum: eine andere Gesellschaft, eine andere Wirtschaftsordnung. Ein anderes Berlin. Neues Deutschland.

Schwerdtner, streng-schick im Dress, SED-rot der Lippenstift, macht aus ihrer Haltung keinen Hehl. Während Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) angesichts der Krawalle in Frankreich vor einem „bewaffneten Kampf gegen unseren Lebensstil“ warnt, sieht Schwerdtner ein Signal: „Der Funke ist übergesprungen!“ Frankreich? „Zeigt, wie Widerstand geht.“ Widerstand!

Videokonferenz mit dem linksradikalen Studentenbund SDS (im Süden ein Verfassungsschutz-Fall) zu den GenZ-Demos. Schwerdtner verspricht der Vorhut, die schon mal Juden an Unis drangsaliert: „Ich stelle mich schützend vor euch – egal, von wem ihr angegriffen werdet, ob Polizisten oder Medien.“

Der Staat und sein Gewaltmonopol und die freie Presse: Feindbild – geklärt.

Nur: Wer ist Freund und Partner? Und da beginnen die Probleme der anderen, von Elif Eralp. Denn für die Klärung der Systemfrage gilt: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Die Linke hat in Berlin vorgemacht, wie das geht: als Sammlungsbewegung der Systemgegner von links, aus Schattenwelt und Untergrund.

Eralp hat gerade mit der Wirklichkeit zu kämpfen. Die macht ihr aus den eigenen Reihen so viel Furcht, dass sie zum eigenen Parteitag Polizeischutz nahm. Die Polizei will sie (eigentlich) radikal reduzieren. Aber wenn es sein muss: Schutz vom bekämpften System.

Clan- und Islamistenverbindungen in ihrer Partei? Öffentlich wies Eralp dies als Kampagne rechter Medien und Politiker zurück. Doch sie zieht, wenn Grüne und SPD das mitmachen, für eine Sammlungsbewegung ins Rote Rathaus. Sicherheitsexperten warnen vor einer unterwanderten Partei.

Das Netzwerk von Elif Eralp

Elif Eralp, 1981 in München geboren, ist die Anführerin eines Sammelbeckens, Spitzenkandidatin und Wahlsiegerin. An ihrer Seite die Linke-Landeschefs Kerstin Wolter (40) und Maximilian Schirmer (36). Doch getragen wird die Partei auch von den Licht- und Schattenseiten der Stadt: Wahlpartygäste wie Clan-Boss Issa Remmo oder Terror-Fanatiker Ibrahim Ibrahim und deren Freund, der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak.

Schauspiel-Star Corinna Harfouch (72, „Des Teufels General“, „Polizeiruf“) und Autor Wladimir Kaminer (59, „Russendisko“) sind Eralp-Fans. Keine Fans, aber Genossinnen: Radikal-Antisemitin und Berlin-Abgeordnete Vanessa Emde (45) und Asya Senyüz (so antisemitisch, dass sie nicht in die Fraktion aufgenommen wurde). Eralps Berlin-Programm: Fast alles dreht sich um Migranten (sollen kommen, bleiben, wählen) und Minderheiten.

Ja, was Berlin-Eralp geschafft hat, davon träumt Bundes-Schwerdtner: 12,2 Prozent bei der Berlin-Wahl 2023. Jetzt 25,7 Prozent. Mehr als verdoppelt. Stärkste Kraft der Hauptstadt. Bundesweit die Linke jetzt bei zehn bis elf Prozent.

Auch die Mitgliederzahlen in Berlin: Ende 2023 gerade 7178 Berlin-Genossen. Nur ein Jahr später: 20.000! Viele Junge, viele Frauen. Zulauf in migrantisch geprägten Vierteln.

Die einstige Truppe von Alt-SEDlern und von vom Zusammenbruch des irdischen Sowjet-Himmelreiches katatonisierten Westlinken: verwandelt. Jünger, weiblicher, radikaler. Umstrittener, mafiöser, muslimischer, islamistischer, terrorbejahender. Und so von Judenhass verseucht, dass gleich fünf prominente Linke, darunter drei Ex-Senatoren, ausgetreten sind.

Die neue Linke – ein Sammelbecken radikaler Milieus? In manchen ihrer Hoch-Kieze herrscht alternative Mitbestimmung: Clans, Mafiosis, Friedensrichter – eigene Regeln. Feiern die nur mit den Linken – oder haben die sich auch dort eingenistet?

Auffällig sind die clanigen Partei-Forderungen nach weniger Polizei. Und die terrorsympathischen Ansätze, den Verfassungsschutz wegzuschrumpfen. Beide eint: Gegen DEN Staat!

Unten gegen oben. Arm gegen reich. Klassenkampf – nicht mehr nur mit den legalen Arbeitern in der Knechtschaft des Kapitals.

Schwerdtner, Vater erst Smutje, dann Kraftwerksheizer, will diesen Klassenkampf ausdrücklich führen: Milliardäre? „Abschaffen!“ Sie hat dafür gesorgt, dass der Kommunisten-Wahlkampf aus Österreich in Berlin kopiert wurde. Es hat funktioniert. Für Eralp.

Schwerdtners Idol, Kommunismus-Erfinder Karl Marx (1818–1883), wäre stolz auf seine Jüngerinnen. Die beiden: seine Ideal-Einheit von Theorie (Schwerdtner) und Praxis (Eralp). Und zusammen gilt: Bisher haben alle die Welt nur unterschiedlich interpretiert. Ihnen kommt es darauf an, sie zu verändern. Berlin? Nur der Anfang.