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Wolfsburg – Bei Volkswagen stehen die Zeichen auf Sturm! Wenige Tage vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung verschärft IG-Metall-Chefin Christiane Benner (58) den Ton gegenüber Konzernchef Oliver Blume (58). Die Gewerkschafterin macht dem VW-Chef schwere Vorwürfe – und kündigt erbitterten Widerstand gegen mögliche Werksschließungen an.

„Mit der IG Metall werden die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm nicht geschlossen“, kündigt Benner an. Bei der für Freitag geplanten Aufsichtsratssitzung will sie gegen die Pläne des Vorstands kämpfen. Benner sitzt selbst im Kontrollgremium und ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Besonders hart geht sie mit Blumes Sparplänen ins Gericht. „Es ist ein großer Fehler der VW-Führung, Werke anzuzählen, 50.000 weitere Arbeitsplätze abbauen zu wollen und zugleich zu verkünden, die Umsatzrendite müsse von zuletzt 3,8 bis 2030 auf 8 bis 10 Prozent steigen“, betont Benner in der „Augsburger Allgemeinen“.

Verunsicherung bei den Mitarbeitern

Der Grund für ihren Widerstand: Ende 2024 hatten Vorstand und Arbeitnehmerseite eine Vereinbarung zum Stellenabbau geschlossen. „Wir haben Ende 2024 eine Vereinbarung geschlossen, die der Vorstand unterschrieben hat und die er zu erfüllen hat“, sagt Benner. Und: „Die Beschäftigten haben für Perspektiven auch auf Geld verzichtet.“

Benner fürchtet, dass die Verunsicherung der Mitarbeiter immer größer wird. Blume habe für Verwirrung gesorgt, weil viele Beschäftigte glaubten, VW wolle noch einmal 100.000 Jobs streichen. „Die VW-Kommunikationspolitik hat Mitarbeitende in Emden und Zwickau belastet und drückt sicher auf die Arbeitsmoral“, sagt sie.

Vor allem das Werk im ostfriesischen Emden sei für die Region von enormer Bedeutung. „Da hängen etwa 30.000 Arbeitsplätze dran“, sagte Benner. Auch Zwickau dürfe nicht aufgegeben werden. Immerhin hänge „jeder vierte Arbeitsplatz in Ostdeutschland“ von der Autoindustrie ab.

Aufsichtsratssitzung am kommenden Freitag

Damit dürfte es bei der Aufsichtsratssitzung am 4. September ordentlich krachen. Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Werke oder Stellenzahlen – sondern um die Machtfrage bei Volkswagen. Nach Informationen aus dem Umfeld des Konzerns liegen gleich drei Sanierungskonzepte auf dem Tisch: eines vom Vorstand, eines vom Land Niedersachsen und eines von der Arbeitnehmerseite. Das ist höchst ungewöhnlich. Normalerweise werden Entscheidungen im VW-Aufsichtsrat einstimmig getroffen. Nun droht ein offener Machtkampf zwischen Vorstand, Großaktionären, Niedersachsen und Arbeitnehmervertretern.

Noch ist eine Einigung in letzter Minute möglich. Doch die Fronten sind verhärtet. Sollte der Aufsichtsrat die Vorlage erneut ablehnen, könnte Volkswagen zu einem ungewöhnlichen Mittel greifen: einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dort könnten die Aktionäre das letzte Wort haben. Ein Termin wäre frühestens Mitte Oktober, möglicherweise auch im November.