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Es sind Tage für die Geschichtsbücher. Ein Wochenende wie dieses hat Deutschland, hat Europa noch niemals erlebt! 41,5 Grad am Samstag in Möckern-Drewitz. Am Siebenschläfer-Tag! Ähnlich heiß, 41,2 Grad, Andernach am Rhein. Die Deutschen suchen das Wasser, den Schatten – oder verlegen das Leben gleich in die Nacht.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net sagt zu BILD: „Was die aktuelle Hitzewelle meiner Meinung nach europaweit einzigartig macht, ist ihre Dimension im Juni: In Frankreich wurde mit 44,3 Grad der heißeste Tag seit Beginn der Messungen registriert, in Großbritannien der heißeste Juni-Tag überhaupt, und in praktisch allen westeuropäischen Ländern purzelten die Rekorde.“

Das Protokoll zum heißesten Wochenende aller Zeiten in Deutschland, in Europa.

Asphalt schmilzt, Züge fallen aus, Fischsterben

Auf der Autobahn 2 fing es am Donnerstag an: Dort verformte sich bei Burg (Sachsen-Anhalt) sowie zwischen Ziesar und Wollin (Brandenburg) der Asphalt. Die wichtige Ost-West-Verbindung bleibt am Siebenschläfer-Wochenende voll gesperrt.

Inzwischen meldete der ADAC auch auf der A1 (Schleswig-Holstein), A3 (Hessen), A6 (Baden-Württemberg), A7 (Hamburg) und der A9 (Bayern) geschmolzenen Asphalt und Blow-Ups (Hitzeblasen) auf der Fahrbahn. Und selbst der nagelneue Belag auf der A4 bei Bergisch-Gladbach (Rheinland) ist schon wieder im Eimer.

Die Deutsche Bahn riet ihren Kunden am Freitag: Fahren Sie nicht Bahn! Gebuchte Tickets können kostenlos storniert oder umgebucht werden. Hintergrund ist die Sorge, dass Züge wegen defekter Gleise stehenbleiben, Klimaanlagen ausfallen, Böschungen brennen.

Der private Anbieter des Rhein-Ruhr-Expresses stellte gestern Mittag den Betrieb bis zum Abend komplett ein. In Essen (Ruhrgebiet) war der Straßenbahnverkehr massiv gestört, der butterweiche Asphalt drückte die Gleise aus dem Boden.

Tote, Fischsterben und Absagen

In einigen Bundesländern ist die Wasserentnahme aus Teichen, Brunnen, Seen verboten. Die Flüsse kochen förmlich. Rhein und Mosel sind inzwischen 28 Grad warm, in Mosel, vor allem im Bereich Palzem, droht ein großes Fischsterben. Sauerstoffmangel!

Viele Veranstaltungen wurden abgesagt, Konzerte, Marathon-Läufe, ein Polizei-Gelöbnis in Thüringen – Sorge um die Gesundheit der Teilnehmer. In Paris haben die Behörden den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit bis heute verboten. Dort sind seit Beginn der Hitzewelle schon 55 Menschen im Wasser gestorben. Spanien meldete rund 240 Hitzetote in den vergangenen zwei Wochen.

Schlagerstar Roland Kaiser (74) verschob seine Konzerte am Wochenende in Halle (Sachsen-Anhalt) „um jeweils eine Stunde nach hinten“. Außerdem dürfen seine Fans alkoholfreie Getränke (bis 1,5 Liter) mit aufs Gelände nehmen.

Tödliche Badeunfälle, überfüllte Freibäder

Weil Millionen Deutsche in der aktuellen Hitzewelle ans Wasser drängen, häufen sich die Dramen an Seen und in Bädern dramatisch. Mindestens 14 Menschen starben binnen einer Woche im Wasser: Drei Männer (23, 27, 50) ertranken bei Groß-Gerau im Rhein, drei Teenager im Rhein-Herne-Kanal (14, 16, 19).

Im Bodensee waren zwei Rentner-Paare mit einem gemieteten Boot unterwegs, die beiden Männer (71, 76) sprangen in den See – und starben. In Isernhagen (bei Hannover) ertrank ein 8-Jähriger im Parksee Lohne.

Im Badesee Echtz bei Düren (NRW) fiel ein 14-Jähriger von einem Schlauchboot ins Wasser – tot. Auch am Starnberger See und am Großen Alpsee bei Immenstadt konnten die Rettungskräfte zwei Badegäste (23, 85) nur noch tot bergen.

Im Seepark Lünen ertrank ein 45-Jähriger und in Berlin ein 17-Jähriger in der Krummen Lanke – vor den Augen seiner Mitschüler.

Und viele Freibäder mussten ihre Tore wegen Überfüllung schließen. In Gelsenkirchen kam es gestern zu Tumulten am „Sportparadies“, weil 700 Menschen mittags am Eingang abgewiesen wurden. Die Polizei musste eingreifen.

Kraftwerke unter Druck

Mehrere Atomkraftwerke in Frankreich und das AKW Beznau in der Schweiz wurden abgeschaltet. Das Kühlwasser aus den Flüssen ist zu warm. Die Angst vor Stromengpässen wächst. In Ungarn sollen die Menschen am Abend keine Klimaanlagen laufen lassen und keine E-Autos laden.

Gletscher schmelzen, Unwetter im Anmarsch

Die Hitzewelle setzt den Gletschern stark zu. Laut Gletscher-Forscher Matthias Huss droht in den Alpen jetzt ein „sehr starker Eisverlust“. Bereits morgen werden die winterlichen Schneereserven aufgebraucht sein. Und die sieben Wochen nach Siebenschläfer haben erst begonnen.

Die Hitzeglocke zieht jetzt nach Osten weiter. In einigen Regionen gab es gestern schon heftige Unwetter mit Starkregen und Orkanböen.

Deutlich kühler als in Deutschland ist es aktuell im zentralen Afrika. In Abuja, der Hauptstadt von Nigeria, war es gestern angenehme 29 Grad warm.