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„Hausgemachtes Problem“ – Staatliche Abgaben drücken Industriestrompreise über EU-Durchschnitt

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Die deutsche Industrie zahlt für Strom mehr als im EU-Durchschnitt, während beim Erdgas vor allem der Preisabstand zu Nordamerika beträchtlich ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Ökonomen Manuel Frondel von der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), einer von Arbeitgeberverbänden finanzierten Lobbyorganisation.

Als wesentliche Faktoren für das hohe Preisniveau macht der Autor hohe Netzentgelte sowie Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Als kurzfristige Entlastung schlägt der Ökonom eine stärkere Steuerfinanzierung von Abgaben und Umlagen auf Strom vor.

Der Studie zufolge kostete die Kilowattstunde Strom energieintensive heimische Industrieunternehmen 2025 rund 14 Cent, während der Durchschnitt in der Europäischen Union bei zwölf Cent lag. In Frankreich waren es acht Cent.

Auch beim Erdgas lag Deutschland mit 4,7 Cent je Kilowattstunde demnach leicht über dem ‌EU-Schnitt. Drastisch ist der Untersuchung zufolge der Abstand zu den USA und Kanada: Dort betrug der Gaspreis für Betriebe dank Fracking 2024 rund ein Cent.

Bei den Netzentgelten werden in Deutschland dem Autor zufolge für die stromintensivsten Unternehmen mit knapp drei Cent je Kilowattstunde fast doppelt so hohe Gebühren fällig wie im EU-Durchschnitt. Frondel warnt, dass sich diese Kosten künftig noch verdreifachen könnten. Er stützt diese Annahme auf Szenario-Berechnungen des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln, wonach der Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende bis ‌2045 rund 730 Milliarden Euro kosten könnte.

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, dringt der Ökonom auf ein Umsteuern. Kurzfristig sollten sämtliche Abgaben und Umlagen auf Strom nicht mehr von den Verbrauchern, sondern aus Steuermitteln über den Klima- und Transformationsfonds finanziert werden. Für die stromintensivsten Unternehmen summierten sich diese Posten demnach auf durchschnittlich 2,75 Cent je Kilowattstunde. Würden sie wegfallen, könnte der Industriestrompreis für diese Firmen um rund ein Fünftel sinken.

Energieangebot soll technologieoffen ausgeweitet werden

Zudem müsse das Energieangebot technologieoffen ausgeweitet werden. Frondel schlägt vor, Kohlekraftwerke weiterzubetreiben, solange ‌dies bei den jeweiligen Preisen für Emissionszertifikate wirtschaftlich ‌sei, und wieder auf Atomkraft zu setzen. Beim Erdgas spricht er sich dafür aus, das Verbot von Fracking in unkonventionellen Lagerstätten zu überprüfen. Dies begründet er vor allem mit ‌der Versorgungssicherheit. Eine stärkere deutsche oder europäische Förderung könnte die internationalen Gaspreise nach seiner eigenen ‌Einschätzung ‌kaum wesentlich verändern.

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben erklärte, Deutschland habe ein hausgemachtes Energiepreisproblem: „Aufgrund politischer Entscheidungen zahlen Unternehmen hier deutlich höhere Energiepreise als die meisten Wettbewerber im Ausland.“