Halle (Sachsen-Anhalt) – Die neue Zugangskontrolle im Heidebad in Halle an der Saale – nun bekommt Badchef Mathias Nobel (46) Ärger mit der Stadtverwaltung. Weil einige Besucher Lautsprecher-Durchsagen am beliebten Heidesee ignorierten und Anweisungen von Rettungsschwimmern nicht verstanden, griff der Betreiber durch: Einlass nur noch für Gäste, welche die deutschen Baderegeln verstehen. Doch er wird zurückgepfiffen!
Denn die Stadtverwaltung fordert den Pächter des Strandbades jetzt zur Rücknahme der Einlass-Kontrollen auf. Stadtsprecher Drago Bock (57) schreibt BILD: „Die Pächterin hat zu berücksichtigen, dass ein Zugang zum Bad für die Allgemeinheit gewährleistet sein muss. Die Ausgestaltung des Hausrechts darf diesen öffentlichen Charakter nicht durch pauschale Einlassverbote für ganze Bevölkerungsgruppen aushebeln.“
„Wird als ausländerfeindlich wahrgenommen“
Weiter heißt es: „Ein Vorgehen, das in der Öffentlichkeit als ausländerfeindlich wahrgenommen werden kann, würde das Ansehen der Stadt beschädigen und verstieße gegen die vertragliche Wohlverhaltenspflicht.“ Bad-Chef Nobel hatte in BILD erklärt, dass er nicht ausländerfeindlich sei, jedoch erwarte, dass alle Badegäste die Baderegeln kennen. Der See sei schließlich nicht ungefährlich – ein geflutetes Tagebau-Restloch, 13 Meter tief und mit einer Uferkante von fast 90 Grad.
Doch die Stadt hält dagegen: „Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit müssen zunächst mildere Maßnahmen ergriffen werden. Insofern hat die Stadt den Geschäftsführer der Heidebad GmbH um die sofortige Rücknahme der pauschalen ‚Einlassbarriere‘ gebeten.“
Badbetreiber erreichen Hass-Nachrichten
Hass-Nachrichten per WhatsApp, 1-Sterne-Bewertungen bei Google, unzählige E-Mails im Bad-Postfach. Nobel wird Rassismus unterstellt, der See als Nazibad beschimpft. Nobel rechtfertigt die neue Regelung damit, dass er zuletzt eein Kleinkind aus dem tiefen Bereich des Baggersees holen musste, das ohne Schwimmhilfe im Wasser plantschte (derzeit 20 Grad warm). Die Eltern hätten ihn nicht verstehen können. „Ich trage im Bad die Verantwortung. Wenn etwas passiert, zeigen alle auf mich. Tot ist tot“, sagt er.
Nobel war sich bewusst, dass seine Einlass-Regel für Kontroversen sorgt. Der Badchef zu BILD: „Vor Ort hat sich keiner beschwert. Und der überwiegende Teil, der hier schreibt, wird unser Bad nie besuchen.“ Doch es gab nicht nur negative Meinungen. „Viel Zuspruch habe ich u.a. von Rettungsschwimmern aus dem ganzen Land erfahren“, so Nobel.
Stadt kündigt Unterstützung an
Das Rathaus in Halle schreibt BILD, man wolle jedoch den „berechtigten Sicherheitsaspekten der Pächterin“ Rechnung tragen und biete Unterstützung an. Stadtsprecher Bock: „Bereitstellung von standardisierten Baderegeln und Sicherheitshinweisen in den relevanten Fremdsprachen“. Weiter wolle man „Unterstützung bei der Implementierung von eindeutigen Piktogrammen und QR-Codes auf den Liegewiesen und im Eingangsbereich, die die Sicherheitsregeln visuell und barrierefrei vermitteln.“
Wie geht es weiter?
Zur Aufforderung der Stadt Halle sagt Bad-Chef Nobel zu BILD: „Was soll ich zurücknehmen? Dass die Leute die Baderegeln verstehen?“ Das Schreiben der Stadt wolle er sich nun in Ruhe einmal anschauen. Die Stadt kündigte Gespräche an.