TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

München – „Kommen Sie schnell zum Kinderspielplatz am Innsbrucker Ring!“, sagt eine aufgeregte Stimme am Telefon der Polizeiinspektion 21 im Stadtteil München-Au. Als eine Streife dort wenig später eintraf, machten die Beamten eine gruselige Entdeckung. In einem Karton lagen zwei lebende Pythons!

Auf einem Zettel stand mit grünem Filzstift: „Bringst Du mich bitte ins Tierheim“. Eine Polizeisprecherin zu BILD: „Wir brachten den Fund sofort zu einer Münchner Tierschutzeinrichtung.“

Beide Pythons waren unterernährt

Kopfschütteln bei den Experten der Auffangstation für Reptilien. „Ein Weibchen und ein Männchen zusammen in einem Karton, wer macht so was?“, sagt Jennifer Vogl (33). „Für das Weibchen bedeutet das zusätzlichen Paarungsstress. Außerdem waren beide Schlangen unterernährt. Das etwa 1,20 Meter lange Weibchen hatte nur 790 Gramm, mehr als 200 Gramm zu wenig.“ Wie genau die Schlangen gefunden wurden, weiß die Polizei selbst nicht. Der Hinweisgeber sei wegen seiner „verwaschenen Aussprache“ kaum zu verstehen gewesen. Aber zumindest einen Riesenschreck werden die Finder beim Öffnen des Kartons bekommen haben. Hätten die Pythons etwa einem Kind gefährlich werden können?

Biss unangenehm, aber harmlos

Vogl zu BILD: „Ein Biss wäre unangenehm, aber hinterlässt kaum Spuren. Es sind Würgeschlangen. Ihre Kraft reicht gerade aus, um eine Maus oder Ratte zu erdrücken.“ Die beiden Pythons werden vermutlich die nächsten Jahre bei Vogl in der Auffangstation verbringen. „Es sind sehr verbreitete Tiere, die schwer zu vermitteln sind. Pythons haben manchmal seltene Zeichnungen, diese hier sind die häufigste Art, die Nachfrage daher eher gering. Wir haben hier locker 50 Exemplare davon in unserem Bestand.“

Strafanzeige gegen Schlangenbesitzer

Warum ihre Besitzer sie ausgesetzt haben, darüber kann Vogl nur spekulieren: „Vielleicht waren sie einfach überfordert. Oder sie haben ihr Interesse verloren, weil die beiden langweiliger sind, als sie es sich vorgestellt hatten. Ich rate jedem, der sich eine solche Schlange anschaffen will, sich vorher zu informieren.“ Tierarzt Thomas Türbl: „Tiere in einen Karton zu setzen und darauf zu hoffen, dass sie jemand findet, ist nicht nur verantwortungslos, sondern auch eine Straftat.“

Die Tierschützer haben Strafanzeige erstattet und bitten um Hinweise, um dem Halter die Rechnung für die Unterkunft zukommen zu lassen. Sonst übernimmt die Zeche nämlich der Steuerzahler.