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New York – Seit Tagen schockiert ein mutmaßlicher Gruppenvergewaltigungs-Fall an der US-Eliteuniversität Cornell Menschen weit über die USA hinaus. Ausgelöst wurde die öffentliche Debatte durch eine Zivilklage. Die Frau – in Gerichtsunterlagen ‚Jane Doe‘ genannt – hatte sie Mitte September eingereicht. Jetzt kommen immer neue Details ans Licht. Während die Frau nach eigenen Angaben von mehreren Männern missbraucht wurde, sollen Studenten der Verbindung Chi Phi in einem Gruppenchat gefragt haben: „Shop still open?“ („Shop noch geöffnet?“).

Wie CBS News berichtet, schrieb ein Student während des mutmaßlichen Übergriffs in eine Snapchat-Gruppe mit mehr als 50 Mitgliedern, es gebe „Free Pussy“ im Haus. Ein anderer antwortete: „I fucking love Chi Phi.“ Um 1.42 Uhr fragte ein weiterer Student laut den veröffentlichten Chat-Auszügen: „Shop still open?“ Mit dem „Shop“ soll die damals 20-Jährige gemeint gewesen sein.

Sieben Männer sollen Frau missbraucht haben

Die Klägerin wirft sieben Kommilitonen vor, sie im Oktober 2024 im Haus der Studentenverbindung Chi Phi vergewaltigt zu haben. Nach einem Barbesuch soll sie mit Alkohol und Ketamin gefügig gemacht worden sein. Anschließend sollen die Männer sie über Stunden missbraucht haben.

ABC News veröffentlichte zudem Textnachrichten zwischen der Frau und einem der Beschuldigten. Darin entschuldigte sich der Student wenige Tage nach dem Vorfall: „Ich wollte mich nur dafür entschuldigen, wie die Sache an jenem Abend gelaufen ist.“ Die Antwort der Studentin fiel zunächst überraschend aus. Sie schrieb: „Am Ende des Tages war nichts von dem Sexuellen illegal, und ehrlich gesagt habe ich die Zeit mit dir sehr genossen.“

Knapp zwei Wochen später änderte sich ihre Darstellung jedoch deutlich. In einer weiteren Nachricht schrieb sie: „Lass uns klarstellen, dass 90 Prozent dessen, was in dieser Nacht passiert ist, nicht einvernehmlich war.“ Nach der Verabreichung von Ketamin könne sie sich an vieles nicht mehr erinnern. Sie habe sich gefühlt „wie eine Sexpuppe“.

Gouverneurin greift ein

Der Druck auf die Behörden wächst. Weil immer mehr Fragen zur ursprünglichen Einstellung der Ermittlungen aufkommen, schaltet sich inzwischen sogar New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul ein. Sie ernannte Generalstaatsanwältin Letitia James zur Sonderermittlerin und sprach von „ernsthaften Fragen“ zur Arbeit der Polizei und zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft, den Fall zunächst nicht strafrechtlich zu verfolgen.

Die Ermittlungen waren zunächst eingestellt worden. Erst die Zivilklage machte die Vorwürfe öffentlich und brachte den Fall erneut ins Rollen.

Studenten widersprechen den Vorwürfen

Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Aus Ermittlungsakten, die der „New York Times“ vorliegen, geht hervor, dass mehrere Studenten gegenüber Universitäts-Ermittlern erklärten, die Frau habe aktiv an den sexuellen Handlungen teilgenommen. Einer der Beschuldigten behauptete demnach, sie habe gesagt: „Wir sind hier doch alle einvernehmliche Erwachsene.“ Ein anderer will von ihr den Satz gehört haben, Gruppensex sei „im Mittelalter normal gewesen“.

Die Studentenverbindung Chi Phi wurde inzwischen vom Campus verbannt. Die Sonderermittlerin soll nun prüfen, ob doch noch strafrechtliche Anklagen erhoben werden.