Mainz – Mit Biontech bauten sie Europas wertvollstes Pharma-Unternehmen auf – jetzt gründen Uğur Şahin (60) und Özlem Türeci (59) ihre nächste Firma. Name: Arife. Ihren Sitz hat die Firma wie Biontech in Mainz. Nach „Handelsblatt“-Recherchen soll das Unternehmen eine Belegschaft im niedrigen dreistelligen Bereich bekommen. Im Unternehmensregister ist Arife als europäische Aktiengesellschaft (SE) eingetragen und verfügt derzeit über ein Grundkapital von 120.000 Euro.
Der Plan: Entwicklung, Herstellung und Vermarktung pharmazeutischer Produkte, insbesondere neuer sogenannter mRNA‑Therapien. Mithilfe dieser Therapien werden Körperzellen dazu gebracht, vorübergehend bestimmte hilfreiche Stoffe selbst herzustellen. Sie können etwa das Immunsystem dabei unterstützen, Krebszellen zu erkennen und anzugreifen.
Damit wird jetzt konkret, was Sahin und Türeci bereits im März angekündigt hatten: Das Unternehmer-Paar gibt spätestens Ende 2026 seine Führungsrollen bei Biontech ab und will mit einer eigenen Firma wieder stärker an neuen mRNA-Therapien forschen. Biontech soll relevante Rechte und Technologien einbringen und dafür eine Minderheitsbeteiligung an dem neuen Unternehmen erhalten.
Biontech ist deutsche Erfolgsgeschichte
Sahin und Türeci gründeten Biontech 2008. Aus dem Startup wurde innerhalb weniger Jahre ein europäisches Biotech-Schwergewicht. Ursprünglich konzentrierten sich Şahin und Türeci vor allem auf neue Krebstherapien. Während der Corona-Pandemie gelang ihnen gemeinsam mit Pfizer der weltweite Durchbruch mit einem mRNA-Impfstoff gegen Covid-19.
Im März hatte das Unternehmer-Paar im BILD-Gespräch bereits ungewöhnlich offen erklärt, warum sie noch einmal neu anfangen wollen. Türeci sagte damals: „Unsere Superpower haben wir ganz woanders: nämlich in der Innovation und bei unkonventionellem Unternehmertum. Und dahin wollen wir zurück. Ganz konkret heißt das: Wir gründen unsere nächste Firma. Das wäre dann die Nummer 3.“
Arife: türkischer weiblicher Vorname
Auch ein alter Biontech-Weggefährte könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Nach Informationen des „Handelsblatt“ soll Michael Maximilian Kring Finanzvorstand von Arife werden. Kring war bereits von 2009 bis 2014 Finanzchef bei „Biontech“ und ist derzeit Finanzchef des Biotech-Unternehmens „Cellbrick Therapeutics“.
Interessant ist auch der Name: Arife ist ein weiblicher Vorname türkischer Herkunft und bedeutet „die Wissende“. Im Register sind derzeit ein Vorstand und drei Aufsichtsräte aufgeführt, die jüngste Eintragung stammt vom 1. September. Als Geschäftsadresse ist der Philipp-von-Zabern-Platz 1 in Mainz angegeben.