Paris/Marseille – Gewalt, Feuer, Chaos: Die schweren Unruhen in Frankreich eskalieren. Davon blieben am Wochenende auch jüdische Einrichtungen nicht verschont: In Paris brachen Vandalen in eine Synagoge ein und verwüsteten die Räume. In Marseille steckten Randalierer jüdische Geschäfte in Brand. Ein Journalist sagt: Diese Angriffe erfolgten gezielt. Doch bislang gibt es offenbar keine klaren Belege.
Schock für die jüdische Gemeinde in Paris: In der Nacht auf Sonntag drangen Angreifer in die Ohalei-Yaakov-Synagoge im 19. Arrondissement ein. Bilder zeigen, dass Gebetbücher, Tefillin und verschiedene Gegenstände verstreut auf dem Boden lagen. Die Täter hatten sie aus Kisten und Schränken geholt. Einige Schranktüren fehlten oder hingen nur noch am Scharnier.
Büro des Rabbiners durchsucht
Auch das Büro des Rabbiners wurde durchsucht und verwüstet. Trotz des Chaos blieben die Tora-Rollen unbeschädigt. Laut einem Mitglied des Gemeindevorstands sah alles nach einem versuchten Diebstahl aus. Die Eindringlinge suchten möglicherweise nach Geld, es wurde jedoch nichts vermisst. Der jüdische Lokalsender „Radio Shalom“ berichtete, dass die Gemeinde prüfe, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vandalismus und den Unruhen besteht.
Jüdische Geschäfte in Flammen
In Marseille steckten Vandalen jüdische Geschäfte in Brand. Der bekannte Journalist und Moderator Paul Amar berichtete beim Sender CNews unter Berufung auf eigene Informationen, dass in einer Straße gezielt Geschäfte jüdischer Eigentümer beschädigt oder angezündet worden seien, während muslimisch geführte Geschäfte verschont geblieben seien. Es gibt bislang aber keine Bestätigung für diese Behauptungen. Der SPCJ, die französische Organisation für die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft, teilte mit, dass bei den zahllosen Zerstörungen auch jüdischen Eigentümern gehörende Geschäfte betroffen waren, sieht derzeit aber keinen Beleg für eine gezielte antisemitische Auswahl.
Dov Maimon vom Forschungsinstitut Jewish People Policy Institute sieht in den Unruhen allerdings eine neue Eskalationsstufe. Angesichts wachsender antisemitischer Gewalt könnten immer mehr französische Juden das Land verlassen. Vom Staat würden sie sich nicht mehr ausreichend geschützt fühlen.
Schwere Ausschreitungen im ganzen Land
Die Vorfälle ereigneten sich während schwerer Unruhen, die weite Teile Frankreichs erfassten. Von Lille im Norden bis Marseille im Süden gingen am Wochenende rund 500.000 Menschen auf die Straße. Manche Quellen sprechen sogar von fast 800.000 Menschen. Die Unruhen folgten einem Schüleraufstand und aus Protest gegen die steigenden Lebenshaltungskosten. Rund 2000 Geschäfte wurden verwüstet oder geplündert, öffentliche Gebäude brannten. Palästinensische Flaggen und Kufiyas waren bei vielen der gewalttätigen Proteste, Brandstiftungen und Plünderungen immer wieder zu sehen.
Die Bilanz der Gewalt: Hunderte Menschen wurden verletzt, darunter 150 Polizisten. Mindestens 1800 Randalierer wurden festgenommen. Am Sonntagabend beruhigte sich die Lage auf den Straßen zunächst.