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Berlin – „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme“, mahnten die Initiatoren der mehr als 30 bundesweiten Demonstrationen auf ihrer Website. Extremismus habe bei ihnen keinen Platz, hieß es. Doch nachdem die überwiegend jungen Menschen ihre Forderungen nach einem bezahlbaren Leben lautstark nach außen trugen, mischten sich immer mehr Radikale in die Protestzüge – und brachten Hass, Gewalt und Plünderungen.

Für 34 Städte waren Demonstrationen angemeldet worden. „Gen Z regelt!“ mobilisierte bundesweit. 184.000 Teilnehmer hatten sich angemeldet, aber viel weniger kamen. Im Laufe des Nachmittags wuchsen die Demos in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln dann aber stark an. Denn nach dem friedlichen Start kamen mehr und mehr gewaltbereite Chaoten. Mit ihnen: Brände, Barrikaden, Angriffe auf Polizisten. In Frankfurt schlugen Plünderer die Schaufenster von Geschäften ein – wie zuletzt in Frankreich.

Israel-Hasser unter Berliner Demonstranten

In Berlin verliefen die Proteste am Brandenburger Tor zunächst friedlich. Später, am Rosenthaler Platz, flogen Böller, Pyrotechnik und sogar Eier in Richtung der Beamten und Journalisten. Eine BILD-Reporterin wurde dabei von einem Ei am Kopf getroffen. Später seien immer mehr Menschen dazugekommen, die Polizei sprach schließlich von etwa 3000 Teilnehmern.

Der Veranstalter des Protestzuges am Abend wird von der Polizei dem linken Spektrum zugeordnet. Auch Anhänger der propalästinensischen Szene waren vor Ort und schwenkten Palästina-Flaggen. „Wir stellten fest, dass der eine oder andere Teilnehmer bereit ist, Straftaten zu begehen“, sagte ein Polizeisprecher. Die Bilanz: 56 Festnahmen allein am Rosenthaler Platz und knapp 30 verletzte Polizisten.

Brennende Barrikaden in Hamburg

In Hamburg gingen laut Polizei in der Spitze rund 6700 Menschen auf die Straße. Im Verlauf der Demonstration rissen schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und warfen sie auf die Straße. Später wurden diese angezündet. „Ganz Hamburg hasst die Polizei“, grölte der Mob. Die Beamten trieben die Menge auseinander und setzten Pfefferspray ein. Das Feuer wurde mithilfe eines Wasserwerfers gelöscht und die Veranstaltung abgebrochen.

Später am Abend musste die Polizei einen Jungen festnehmen. Das Kind hatte zuvor Polenböller auf die Beamten geworfen. Im Bereich des Hansaplatzes setzte die Polizei rund 120 Randalierer fest. Sie kamen in Gewahrsam.

Vermummte plündern Waffenladen in Frankfurt

In Frankfurt kippte die Stimmung am frühen Abend: Böller flogen aus den Reihen der etwa 8000 Demonstranten auf die Polizisten. In der Nähe der Konstablerwache in der Innenstadt stockte der Demonstrationszug, es fuhr ein Wasserwerfer vor. Immer wieder wurde Pyrotechnik gezündet. „Die Versammlung wird nicht mehr als friedlich angesehen“, sagte die Polizei über einen Lautsprecher, bevor die Veranstaltung abgebrochen wurde. Laut dem Innenministerium wurden mehrere Beamte verletzt.

Am späten Abend wurden Randalierer dabei erwischt, wie sie Schaufensterscheiben von mehreren Geschäften, unter anderem von einer Parfümerie und einem Sportladen, einschlugen. Ein Waffengeschäft wurde geplündert. Einer der Täter wurde festgenommen, nach BILD-Informationen mit zwei entwendeten Waffen.

Vandalismus in Stuttgarter Innenstadt

Der Stuttgarter Demozug mit rund 3.000 Teilnehmenden wurde laut Polizei mehrfach angehalten, weil Auflagen verletzt worden seien: Einzelne hätten sich vermummt und Böller geworfen, teilte das Polizeipräsidium mit. Schließlich sei der Zug von seiner geplanten Route abgewichen, in der Innenstadt sei es dabei zu Sachbeschädigungen gekommen.

Krawalle unterm Kölner Dom

In Köln sagte die Polizei wegen der Vermummung einiger Menschen und des Einsatzes von Pyrotechnik den Protestzug kurzfristig ab. „Die Demo wird als Standkundgebung weitergehen“, erklärte eine Polizeisprecherin. Am Abend kesselten die Einsatzkräfte etwa 500 Demonstranten an drei verschiedenen Orten ein, weil einzelne Teilnehmer gewalttätig gewesen seien. Mindestens ein Beamter sei dabei verletzt worden.

Im Verlauf des Abends fand sich eine größere Gruppe von jungen Männern auf der Domplatte ein. Immer wieder flogen Böller in Richtung Polizei. Behelmte Polizisten standen der Gruppe gegenüber. Die Domplatte musste geräumt werden. Dabei gab es fünf Festnahmen.

Polizei stoppt Randale-Mob in Leipzig

In Leipzig ging die Polizei von etwa 6500 Teilnehmern aus. Nach dem Ende der Demonstration sei es zu Sachbeschädigungen gekommen. Eine Gruppe mit bis zu 200 „Störern“ habe auf dem Heimweg im Süden der Stadt „ein bisschen randaliert“, erklärte ein Polizeisprecher. Nach dem Eintreffen der Bereitschaftspolizei habe sich die Gruppe dann aber schnell zerstreut. Mehrere Personen hätten Verkehrsschilder auf die Straße geworfen, Haltestellen seien zerstört worden. Zudem seien vereinzelt Barrikaden errichtet und Pyrotechnik gezündet worden.

Initiative distanziert sich von Gewalt

Zu den friedlichen Demonstrationen in 34 deutschen Städten hatte die Initiative „Gen Z regelt“ aufgerufen, die sich nach eigenen Angaben von Gewalt distanziert. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.

Aus Angst vor Ausschreitungen hatten viele Einzelhändler in den Innenstädten und vor allem in Luxus-Einkaufsstraßen größerer Städte vorsorglich ihre Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert. Die Polizei war teils mit mehreren Hundertschaften im Einsatz.

Die Initiatoren sprachen von insgesamt 100.000 Teilnehmern, bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor. Zur sogenannten Generation Z zählen Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.