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Haben Sie auch von dieser Studie gelesen? Forscher der University of Arizona haben herausgefunden, dass wir wesentlich weniger sprechen als früher. Während 2005 noch durchschnittlich 16.000 Wörter am Tag gesprochen wurden, sind es keine 15 Jahre später nur noch 12.000. Viertausend Wörter weniger.

Die Frage ist, welche Wörter wir vor allem verloren haben. Ist „Respekt“ dabei? Oder „Verständnis“? Vielleicht „Kompromiss“? Oder gar „miteinander“?

Kein Zweifel, wir sind maulfaul geworden. Vielleicht sind es heute nicht einmal mehr 12.000 Wörter, sondern 10.000. Aber wie konnte das passieren? Ich will jetzt nicht damit anfangen, was das Handy damit zu tun hat. Mir geht es um etwas viel Wichtigeres.

Unsere Sprache ist eine der erstaunlichsten Fähigkeiten, die wir Menschen besitzen. Wir können damit streiten, uns entschuldigen, versöhnen, trösten, schimpfen, schwärmen, schmeicheln, erklären, Wissen weitergeben und Gedanken austauschen. Und von dieser Errungenschaft machen wir immer weniger Gebrauch. Das ist sehr traurig. Und gefährlich!

Denn wir sprechen nicht nur weniger miteinander. Wir scheinen auch immer schlechter darin zu werden, einander zuzuhören. Wie oft fällt heute jemand dem anderen schon mitten im Satz ins Wort? Wie schnell wird eine Meinung abgetan, bevor sie überhaupt zu Ende formuliert ist? Wir hören nicht mehr zu, um zu verstehen, sondern um dem Moment abzupassen, wo wir widersprechen können.

Oder noch schlimmer: Wir ersparen uns diese Mühe gleich ganz und bleiben in unserer eigenen Blase. Dort, wo alle ähnlich denken wie wir und es keinen Widerspruch gibt. Da braucht es eben auch nicht mehr viele Worte. Das ist bequem. Aber es macht garantiert nicht klüger. Ganz im Gegenteil. Ich bin fest überzeugt, dass Sprachlosigkeit die Polarisierung und Radikalisierung fördert.

Und diejenigen, die es noch mit Dialog und Diskussion versuchen, aber immer wieder unterbrochen, belehrt, niedergebrüllt, also einfach platt gemacht werden, überlegen sich, ob sie überhaupt noch was sagen. Vielen fehlt also mittlerweile nicht nur die Lust am Reden, sondern auch der Mut dazu.

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, heißt es in einem uralten Sprichwort. Aber wann genau ist Schweigen tatsächlich Gold wert? Klar, wenn wir über Argumente nachdenken oder anderen (Andersdenkenden) zuhören. Aber doch bitte niemals aus Bequemlichkeit. Oder aus Angst vor Widerspruch. Da ist gar nichts goldig dran.

Eine Gesellschaft, in der Menschen sich immer weniger zu sagen haben, verliert irgendwann die Fähigkeit, sich auszutauschen und miteinander auszukommen.

Also Schluss mit der Maulfaulheit! Wir müssen den Mund wieder aufmachen. Wir haben diese großartige Fähigkeit doch nicht vor 50.000 oder 100.000 Jahren quasi geschenkt bekommen, damit wir sie jetzt verkümmern lassen!

Für mich gilt: Lieber tausend Worte zu viel als eins zu wenig. Und 10.000 Worte sind doch wichtiger als 10.000 Schritte.

Es gibt noch jede Menge zu besprechen. Wir können gern mit kurzen Sätzen beginnen: Ich liebe dich. Ich verstehe dich. Ich respektiere dich. Du machst das toll.

Versuchen Sie es doch einfach mal!