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Atlanta – Welches Zeichen könnte dieses Foto in die Welt senden? Wenn Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) am Freitag und Samstag am G20-Außenministertreffen in Atlanta (USA) teilnimmt, wird er dort auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow (76) wiedersehen. Ausgerechnet den Putin-Minister, der ihm in New York ein Lügen-Gutachten zum Massaker von Butscha vorgelegt hatte. Dazu kommt: Der offizielle Ablaufplan zum Treffen sieht bislang auch den Programmpunkt „Familienfoto“ vor. Heißt: Lawrow und Wadephul werden wohl gemeinsam auf dem traditionellen Abschlussbild der Konferenz stehen.

Brisant: Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) hatte ein solches Foto mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow (63) Anfang September in Asheville (North Carolina) beim Treffen der G20-Finanzminister verhindert, indem er den US-Gastgebern gemeinsam mit anderen EU‑Vertretern klarmachte, dass man kein Foto mit dem Russen wolle.

Und heute? Wadephul betonte, es gebe „keine Normalität zwischen Deutschland und Russland“. Weil „Russland weiterhin die Ukraine angreift, weil Russland weiterhin die Sicherheit Europas gefährdet“. Einem gemeinsamen Foto werde er dennoch nicht fernbleiben, sagte Wadephul: „Es ist automatisch so, dass es gemeinsame Fotos gibt.“ Das Entscheidende sei „was wir miteinander besprechen“, so Wadephul weiter. Das sei der „Kern von Diplomatie“ und „diesem Geschäft widmen wir uns, auch wenn es schwer ist“. Wadephul kündigt Klartext an: Er werde jede Gelegenheit nutzen, „Russland deutlich zu machen, dass es von diesem völlig sinnlosen Krieg ablassen muss“. Aber: Ob das Foto wirklich stattfindet, bleibt abzuwarten. Kritiker warnen, ein gemeinsames Foto wäre eine weitere Normalisierung im Umgang mit Russland. Der Aggressor führt im fünften Jahr einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, überzieht Zivilisten mit Drohnen-Terror und schreckt nicht einmal vor der Bombardierung von Schulen zurück.

Das russische Außenministerium beklagte sich im Vorfeld des Treffens in den USA über Probleme bei der Beschaffung von Visa für die russische Delegation, die erst in letzter Minute gelöst werden konnten. Diese Komplikationen hätten den Eindruck erweckt, dass „nicht jeder in Washington glücklich“ über Lawrows Teilnahme sei, sagte die Sprecherin des Ministeriums, Maria Sacharowa.

Wadephul wird auf dem G20-Gipfel, an dem die Außenminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt zusammenkommen, vertrauliche Zweiergespräche (sogenannte Bilats) mit etlichen seiner Amtskollegen führen. Ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Gastgeber, US-Außenminister Marco Rubio (55), ist nach BILD-Informationen bislang nicht eingeplant. Immerhin: Zum Abschluss des Treffens lädt Rubio seine Amtskollegen am Samstagnachmittag zu einem Football-Spiel ein. Die „Florida Gators“ treffen auf ihre Rivalen, die „Georgia Bulldogs“. Auf dem Platz steht dabei auch Rubios Sohn Anthony (25): Er spielt als „Running Back“ (Offensivspieler, der Touchdowns erzielen soll) für die Gators.