Frankfurt/Main (Hessen) – Sören Rose (56, Investment-Banker) hatte Geschäftstermine in Berlin und wollte Dienstagabend noch nach Hause nach Friedberg (Hessen). Er geriet in dieser Nacht gleich in mehrere Bahn-Katastrophen. Sein Protokoll der Chaos-Reise.

19.10 Uhr: Ich stieg mit dunkler Vorahnung am Hauptbahnhof Berlin in den ICE 937 nach Frankfurt/Main. Die etwa fünf Minuten Verspätung der Deutschen Bahn waren für mich zunächst kein großes Problem. Was mich allerdings deutlich mehr geärgert hat, war, dass zunächst kein gastronomisches Angebot verfügbar war, da ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatte.

Chaos 1: Zugrestaurant ausgefallen

21.30 Uhr: Halt auf der Strecke Erfurt – Würzburg. Dann eine Durchsage, dass es aufgrund einer bundesweiten Kommunikationsstörung im Bahnnetz erhebliche Probleme gebe. Die Ankündigungen änderten sich mehrfach, sodass für die Fahrgäste überhaupt nicht mehr nachvollziehbar war, wie die Reise verlaufen würde.

Chaos 2: Funknetz fällt aus, nichts geht mehr

Besonders bemerkenswert fand ich die Aussage des Zugführers, der sinngemäß sagte: „Sie merken ja, ich weiß auch nicht, wo wir als Nächstes stehen bleiben. Offensichtlich weiß hier die linke Hand nicht, was die rechte tut.“ Diese Aussage beschreibt die Situation aus meiner Sicht sehr treffend.

Chaos 3: Schlange vor der DB-Info morgens um 3 Uhr

02:50 Uhr: Vor drei Stunden hätten wir schon in Frankfurt ankommen müssen, wir rollen in den Hauptbahnhof ein. Wer um diese Zeit jemals in Frankfurt angekommen ist, sieht zu, dass er schnell weiterkommt. Doch mittlerweile hat sich die nächste Katastrophe angekündigt. Sowohl ein Stellwerksausfall als auch ein Kabelbrand haben meinen Anschlusszug nach Friedberg ausfallen lassen. Vor dem Informationsschalter hatte sich bereits eine sehr lange Schlange gebildet. Dort waren zwei Mitarbeitende eingesetzt, während zusätzlich mehrere Sicherheitskräfte vor Ort waren.

Chaos 4: Kabelbrand führt zu Ausfall des Anschlusszugs

An einem benachbarten Schalter erhielt ich die Auskunft, dass ich für die Weiterfahrt mit dem Taxi die Kosten zunächst selbst tragen und die Rechnung anschließend einreichen müsse.

03:20 Uhr: Ich steige in ein Taxi, das mich nach Hause fahren soll. Für die rund 45 Kilometer lange Fahrt entstanden Kosten von etwa 85 Euro.

04:00 Uhr: Ich komme zu Hause an, nach neunstündiger Reise, die eigentlich nur vier Stunden dauern sollte.

07:00 Uhr: Ich habe meine erste Videoschalte und muss erklären, warum ich so aussehe. Dabei musste ich unweigerlich daran denken, dass dies Reisezeiten sind, die ich in der Vergangenheit teilweise sogar für Flüge von Berlin nach Peking erlebt habe. Mittlerweile benötigt man offenbar für eine Fahrt von Berlin nach Frankfurt unter Umständen ähnlich lange.