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Berlin – Der Kanzler schickt einen seiner allerengsten Vertrauten auf den wichtigsten Posten neben dem eigenen: Thorsten Frei (52, CDU), noch Chef des Bundeskanzleramts, soll neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden und damit Nachfolger des nach der Leihmutter-Affäre zurückgetretenen Jens Spahn (46). Ein gewaltiger Vertrauensbeweis von Friedrich Merz (70). Und zugleich eine Korrektur.

Denn Frei kehrt dorthin zurück, wo er immer am stärksten war: in die Fraktion, an den Ort, an dem für den Kanzler die Macht zusammengehalten wird, wo Mehrheiten organisiert, Abgeordnete eingefangen, Gesetze durchgebracht – und Kanzler gerettet werden müssen.

Im Kanzleramt kam Frei ins Stolpern

Als Merz seinen engen Vertrauten im Mai vergangenen Jahres zum Kanzleramtschef machte, schien die Besetzung logisch: Frei galt als loyal, fleißig, strategisch, diszipliniert – als Mann, der seinem Chef den Rücken freihält. Doch dann schwächelte Frei. Das Kanzleramt: eine Mega-Behörde – zunächst eine Nummer zu groß. Ministerien und Geheimdienste koordinieren, Koalitionskonflikte erkennen, Länder und Fraktionen einbinden, Entscheidungen vorbereiten: Vieles lief anfangs schlecht abgestimmt, manche Runde war handwerklich unzureichend vorbereitet.

Frei räumte selbst ein: „Die Aufgabe, der Apparat, der hinter so einer Regierung steht, das ist schon gewaltig.“ Fleiß war nie das Problem. Eher die schiere Größe der Aufgabe. Doch: Er fing sich, hat sich nach Angaben aus der Koalition und von Ministerkollegen erkennbar eingearbeitet. „Es läuft jetzt“, sagte noch gestern ein Kabinettskollege über Frei. Und war sich sicher: „Er wird wohl dort bleiben – wir haben niemanden, der das neu lernen kann.“

Im Bundestag kennt Frei jeden Gang

Im Bundestag dagegen kennt Frei jeden Gang, jeden Hebel – und fast jeden Abgeordneten. Von 2021 bis 2025 war er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion. Der 1. PGF macht die Arbeit, für die der Fraktionschef am Ende Applaus oder Ärger bekommt: Sitzungen planen, Mehrheiten zählen, Abweichler einfangen, Kompromisse aushandeln.

Unter Oppositionsführer Merz sorgte Frei dafür, dass der Laden lief, die Abgeordneten sich eingebunden und gehört fühlten. Er räumte hinter seinem Chef auf, wenn Merz mit überraschenden Ankündigungen politischen Staub aufwirbelte. In der eigenen Fraktion ist Frei beliebt und hoch angesehen. Auch bei politischen Gegnern gilt er als verlässlich und ansprechbar. Zur SPD hat er gute Kontakte – in der schwarz-roten Koalition ein wichtiger Vorteil.

Merz sagte heute zu seinem Personalvorschlag: „Ich bitte um Zustimmung der Fraktion für Thorsten Frei, der einen maßgeblichen Anteil am bisherigen Erfolg der Regierungsarbeit und der Stabilität der Koalition hat. Die Reformerfolge der letzten Wochen sind auch sein Verdienst. Thorsten Frei kommt aus der Mitte der Fraktion und wird dort für das perfekte Zusammenspiel zwischen Parlament, Koalitionspartner und Bundesregierung sorgen.“

Vom Rathaus in die Machtzentrale

Wer ist der Mann, dem Merz jetzt seine parlamentarische Mehrheit anvertraut? Frei ist Jurist und seit den 90er-Jahren CDU-Mitglied. Von 2004 bis 2013 war er Oberbürgermeister von Donaueschingen, danach wechselte er als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag. Der verheiratete Vater von drei Kindern stammt aus Baden-Württemberg, sein Vater war Polizist.

Politisch steht Frei für einen klar konservativen Kurs. In der Migrationspolitik fordert er Begrenzung, Zurückweisungen und Asylverfahren in sicheren Drittstaaten. Beim Bürgergeld will er strengere Regeln und härtere Sanktionen. Steuererhöhungen lehnt er ab, der Staat müsse sparen und Bürokratie abbauen.

Zur AfD zieht Frei eine klare Grenze. Gegenüber Putin vertritt er eine harte Linie und unterstützt weitere Hilfe für die Ukraine. Frei ist keiner für die Bierzelte – aber für den scharfen Ton im Bundestag. Bisweilen auch eitel und von Kritik angesäuert – doch immer in der Lage, sich selbst zurückzunehmen. So jemanden braucht Merz nach dem Spahn-Abgang.