München – Bei der vergangenen Bundestagswahl sorgte auch das Ergebnis in Bayern dafür, dass Friedrich Merz (70, CDU) Kanzler werden konnte: 37,2 Prozent der Bürger hatten die Schwesterpartei CSU gewählt, rund neun Prozentpunkte mehr als die Union insgesamt holte (28,5 Prozent). Doch jetzt schwindet der Rückhalt für Merz auch dort! Laut einer neuen Umfrage will eine Mehrheit der CSU-Anhänger, dass der Kanzler zurücktritt. Das GMS-Institut wollte von den Befragten für Sat.1 Bayern wissen, ob Merz „nach den Fehlschlägen bei der Reformpolitik der Regierungskoalition und den Ergebnissen der Landtagswahlen sofort zurücktreten“ und Platz für einen geeigneten Nachfolger aus der Union machen solle. Das Ergebnis: 57 Prozent sagen Ja, nur 32 Prozent lehnen dies ab.
Immer wieder Zoff unter Schwesterparteien
Brisant ist vor allem der Blick auf die eigenen Reihen: Unter den CSU-Wählern sprechen sich 50 Prozent dafür aus, dass Merz seinen Posten räumt. 42 Prozent wollen, dass der Kanzler im Amt bleibt. Damit gibt es mittlerweile auch bei Anhängern der bayerischen Schwesterpartei eine relative Mehrheit gegen Merz. Dazu muss man wissen, dass das Verhältnis beider Parteien immer wieder angespannt war: Als CSU-Ikone Franz Josef Strauß in den 1970ern bundesweite Ambitionen hegte, wäre die Fraktionsgemeinschaft fast aufgekündigt worden. Und 2018 übte der damalige Innenminister Horst Seehofer (77, CSU) heftige Kritik an der Asylpolitik von Angela Merkel (72, CDU), was fast zu einem Bruch geführt hätte. Doch im Zweifel galt: Die CSU stellt sich hinter einen Kanzler aus den Reihen der CDU.
AfD und Grüne im Aufwind
Viele CSU-Anhänger sehen das nun offenbar anders. Dazu kommt: Während CDU und CSU bei GMS deutschlandweit aktuell nur noch 19 Prozent erreichen, steht die CSU im Vergleich noch relativ gut da. Wäre am kommenden Wochenende Landtagswahl, würden 37 Prozent der Bayern ihr die Stimme geben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Das sind zwei Prozentpunkte weniger als bei der vorherigen Befragung im März. Die Opposition aus AfD (22 Prozent, plus vier) und Grünen (plus zwei) kann dagegen zulegen. Ebenfalls im Landtag vertreten wären der CSU-Koalitionspartner Freie Wähler (zehn Prozent) und – hauchdünn – die SPD (sechs Prozent).
Schon am Wochenende werden sich Söder und Merz wohl persönlich begegnen. Am Freitag beginnt der zweitägige Parteitag der CSU in München. Dabei soll Merz am Samstagvormittag als Hauptredner auftreten. Söders Ansprache wird bereits für den Freitag erwartet.