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Den Friedhöfen laufen die Toten weg. Klingt makaber, ist aber so. Immer mehr Menschen entscheiden sich für anonyme Bestattungen, Friedwälder oder pflegefreie Grabformen. Die traditionelle Friedhofskultur verliert an Bedeutung. Wahrscheinlich haben deshalb Friedhofsverwaltungen mehr Zeit, sich mit Angehörigen von Verstorbenen zu streiten.

Über einen Fall aus Velbert (bei Düsseldorf), über den der WDR berichtet hat, könnte man sich totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Da streiten die Friedhofsbürokraten seit Jahren mit der Mutter eines Mädchens, das mit 18 bei einem Verkehrsunfall starb, um einen Engel, eine kleine Windmühle und einen Keramik-Frosch.

Sowas gehört nicht auf ein Grab, finden die Verwalter. Auf dem Friedhof soll schließlich Ordnung herrschen. Wo kämen wir denn hin, wenn Angehörige selbst entscheiden könnten, wie sie um ihre Liebsten trauern wollen?

Natürlich braucht ein Friedhof Regeln. Alles braucht in Deutschland Regeln und Vorschriften. So ist dieser Bürokratie-Dschungel entstanden, aus dem die Regierung jetzt nicht mehr so recht rausfindet.

Die Mutter von Lara, so heißt die tödlich verunglückte 18-Jährige, wollte aber aus dem Grab keine Rumpelkammer machen, keine Lichterkette installieren, auch keinen meterhohen Fahnenmast.

Wir reden von einem Engel, einer Windmühle und einem kleinen Frosch, der Lara extrem wichtig war. Das nicht zu verbieten, wäre ein Zeichen und Respekt, den man auch vor Toten haben sollte, finde ich.

Eine Friedhofssatzung kann ja nicht dazu da sein, Trauer unnötig schwer zu machen. Ein Grab ist keine nach DIN genormte Fläche von zwei Quadratmetern. Es ist meistens der letzte Ort für die Angehörigen. Ort der Trauer, der Nähe, des Trostes und der Erinnerung. Sie bringen Blumen, zünden Kerzen an, weinen und reden mit jemandem, der nicht mehr antwortet. Und manchmal stellen sie eben einen Frosch aufs Grab. Oder einen kleinen Engel.

Für den Sachbearbeiter bei der Friedhofsverwaltung ist das ein Satzungsverstoß. Und streitet über Jahre mit der Mutter, droht Strafen an. Da fehlt einfach das, was heute an so vielen Stellen abhandengekommen ist: Augenmaß.

Die Fähigkeit, zwischen einer blinkenden Diskokugel und einem kleinen Engel zu unterscheiden. Genau darin aber zeigt sich Menschlichkeit.

Ein Grab ist ein Ort der Liebe. Und Liebe lässt sich nicht messen, geschweige denn in Normen pressen. Das wissen aber nicht alle, und deshalb zog die trauernde Mutter wegen des Engels sogar vor Gericht. Die Verwaltung beeindruckte das natürlich erstmal nicht – so ein Prozess kostet ja nicht das Geld der Verwalter. Sondern unser aller Geld, Steuergeld.

Zuletzt wurden die Regeln in Velbert aber gelockert. Der Engel und der kleine Frosch dürfen bleiben, aber ein Foto von Lara auf dem Grab bleibt verboten. Die Frage ist: Warum muss es überhaupt so weit kommen? Das gilt nicht nur für den Friedhof Velbert, sondern für ganz Deutschland. Ich bin ganz sicher, dass wir sehr viel besser und schneller wären, wenn mehr Menschen ihren gesunden Menschenverstand nutzen würden. Das ist sozusagen der Vorgänger der Künstlichen Intelligenz.

Einfach den Verstand einschalten und begreifen: Die Verwaltung ist der Diener der Bürger, nicht der Vorgesetzte. Laras Mutter wird vielleicht weiter klagen, gegen das Verbot eines Fotos auf dem Grab. Ich fände es gut!