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Frankfurt/Main (Hessen) – Für die einen ist ein Friedhof die letzte Ruhestätte geliebter Menschen. Für andere ist es die größte zusammenhängende Grünfläche in der Nähe. Deutschlands oberster Friedhofsgärtner überrascht jetzt mit Tipps zum Pilzesammeln auf dem Friedhof. Auf einer Ruhestätte rückten sogar rund 100 Sammler zwischen den Gräbern an.

Michael Ballenberger (59), Verbandspräsident der Gesellschaft Deutscher Friedhofsgärtner, zu BILD: „Auf den Friedhöfen gilt nicht mehr das angegraute Dogma von früher. Das ist auch ein Ort des Lebens. Heute gehen die Besucher in den Anlagen joggen, halten ein Kaffeekränzchen oder sammeln dort, wo keine Gräber mehr belegt werden, ihre Speisepilze.“

Ganze Gruppen kommen zum Pilzesammeln

Diese Erfahrung hat auch Jens Börner, Leiter des Urnenhains im Dresdner Stadtteil Tolkewitz, gemacht. Er ließ Pilzsammler im Herbst 2018 gemeinsam mit einer Pilzsachverständigen durch das denkmalgeschützte Friedhofsbiotop ziehen. Auf den rund sieben Hektar gedeihen 122 verschiedene Pilzsorten, darunter Maronen, Birkenpilze oder Rotkappen.

Warum die Pilze so gut auf den Friedhöfen gedeihen, erklärt sein Kollege Frank Schumann aus dem benachbarten Wurzen: „Also auf den Friedhöfen haben wir ja eine Mischbepflanzung. Das heißt, vor allem Laubbäume und auch ein paar Nadelgehölze“, sagte der Gärtnerei-Betreiber laut „MDR aktuell“. Das sei der ideale Nährboden für Pilze.

Noch mehr Lebensmittel vom Friedhof

Wer andere Speisezutaten braucht, wird vielleicht auf dem 80 Hektar großen Friedhof in Frankfurt/Main fündig, auf dem Michael Ballenberger arbeitet. Der Präsident, der rund 4000 Gärtnereien mit mehr als 12.000 Mitarbeitern vertritt, verrät: „Bei uns gibt es eine Grabstelle, die wir das ‚Grüne-Soße‘-Grab nennen.“ Die habe, so der Friedhofsgärtner, „der Verstorbene zu Lebzeiten gerne gegessen“. Nun wüchsen die Kräuter, die man für die Zubereitung benötige, auf seinem Grab.

Was noch vor ein paar Jahren als pietätlos abgetan wurde, entspricht heute, so Michael Ballenberger, dem „Wunsch vieler Menschen nach Freiheit in der Trauerbewältigung“. Wo liegen die Grenzen? „Wir halten es für gut, wenn die Namen der Verstorbenen auf einem Friedhof weiter zu finden sind. Die zunehmend beliebten anonymen Rasengräber – mal abgesehen davon, dass sie ökologisch die schlechteste Option sind – halten wir für eine negative Entwicklung“, so der Verbandspräsident zu BILD.