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Bergkamen – Das Verbrechen klingt wie eine Szene aus einem Horrorfilm: Der enge Freund der Familie steht nachts auf, greift sich ein Messer – und sticht wie im Rausch immer wieder auf Frau und vier Kinder ein! Florian L. (21) soll genau das getan haben – am Dienstag wurde er dafür vom Landgericht Dortmund zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Der Angeklagte hatte vor der Jugendkammer zu den Vorwürfen geschwiegen – wohl wissend, dass dadurch die Kinder im Prozess aussagen mussten. „Ich kenne meine Rechte“, war einer der wenigen Sätze, die der gescheiterte Fliesenleger im Gerichtssaal sagte. Oft soll er dort laut Zeugen sogar gegrinst haben – wie auf dem Fahndungsfoto, das die Polizei von ihm veröffentlicht hatte.

Opfer leiden unter schlimmen Angstzuständen

Für Dilara O. (26), ihre drei Söhne (3, 5, 7) und ihre Tochter (8) ist am 13. Dezember die Welt aus allen Fugen geraten. Alle überlebten schwer verletzt die blutige Nacht in Bergkamen (Nordrhein-Westfalen). Doch die Kinder können vor Angst oft nicht mehr schlafen und stehen dann plötzlich am Bett der Mutter. „Ich erschrecke mich dann immer total“, sagte sie. Denn auch in der Tatnacht wurde sie plötzlich geweckt.

Erst gegen 3 Uhr war Florian L. damals zu ihr gekommen. Die vierfache Mutter: „Ich war noch wach, wir haben uns unterhalten, er war genau wie immer.“ Um 5 Uhr hockte der Gast auf einmal auf ihrer Matratze, schlug sie mit Fäusten, attackierte sie mit einem Messer. Dann lief er mit der Waffe ins Zimmer der Kinder. „Sie haben geschrien wie noch nie, das war schrecklich“, erinnerte sich Dilara O.

Die Mutter kann ihre Hand nur noch eingeschränkt nutzen, die Kinder haben Narben, leiden zum Teil an Gesichtslähmungen. Neben den Verletzungen quält die Opfer die Frage, warum der enge Freund sie überhaupt angriff. Antworten bekam die Familie im Prozess nicht. „Mein Mandant war zum Tatzeitpunkt in einer kritischen Situation. Es steht fest, dass er sich strafbar gemacht hat“, sagte der Verteidiger, Jan Allendorf (Münster). Florian L. hält er für „ganz erheblich schuldunfähig“, da er laut einem Gutachten unter dem Einfluss von Kokainresten, Marihuana und Alkohol gestanden habe. Staatsanwältin Maribel Andersson sah das ganz anders – der Täter sei planvoll vorgegangen, 12 Jahre Gefängnis beantragte sie in ihrem Plädoyer.

Am Ende verurteilten die Richter den Angeklagten zu einer langen Jugendstrafe u.a. wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags, gingen aber wegen des Drogenkonsums von verminderter Schuldfähigkeit aus.