Limburg – Lieber Gott, ich kündige – wegen der Liebe. Schätzungen zufolge gaben in Deutschland mehr als 100 christliche Priester ihr Amt auf, um mit einer Frau zusammenzuleben. Sie haben die Einsamkeit des Zölibats nicht mehr ausgehalten. Während der Vatikan an der Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit der katholischen Gottesmänner festhält, ist Limburgs Bischof Georg Bätzing (65) für eine Öffnung des Zölibats.
Der Fall in Oberursel im hessischen Taunus erschütterte am Wochenende die Kirchengemeinde. Andreas Unfried (63) hat nach 37 Jahren als Pfarrer hingeschmissen, weil er seine Freundin heiraten will. Jahrelang hat er seine Beziehung in Heimlichkeit geführt. Als am Sonntag die Absetzung des Pfarrers bekannt gegeben wurde, brachen die Kirchgänger teilweise in Tränen aus. Zurück bleibt erstmal eine Gemeinde ohne Seelsorger, die Gottesdienste unter der Woche fallen aus.
Oberursel ist ein Fall von vielen. In den vergangenen Jahren haben z.B. in den Bistümern Bamberg drei, in Essen vier, in Limburg sechs, in Augsburg 12, in Paderborn und Münster je 15 Priester ihr Amt aufgegeben. Oft gaben sie als Grund das Zölibat an. Die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen schätzt, dass etwa ein Drittel aller katholischen Priester in heimlichen Beziehungen lebt.
Für Limburgs Bischof Georg Bätzing muss die Ehelosigkeit nicht zwingend Voraussetzung für das Priesteramt sein. Er will das Zölibat aber nicht ganz abschaffen, sondern öffnen. Bätzing sagt: „Der Zölibat soll als frei gewählte Lebensform erhalten bleiben, daneben sollte es aber auch die Möglichkeit geben, Ehe und priesterlichen Dienst miteinander zu verbinden.“ Und Bätzing geht noch einen Schritt weiter: „Ich wünsche mir, dass wir in der lateinischen Kirche künftig auch verheiratete Männer zu Priestern weihen können. Die Erfahrung als Ehemann und Familienvater steht dem priesterlichen Dienst nicht entgegen, sondern kann ihn bereichern.“
BILD erzählt die Liebes-Geschichten von drei weiteren Priestern, die den Kirchen-Job gegen eine Frau tauschten:
Fall 1: Marcel Köhle (43) führte als Pfarrer in der Schweiz zwei Jahre lang ein Doppelleben: Heimlich war er mit Meret (29) liiert. Schließlich stellte sie ihn vor die Wahl: Amt oder Liebe. „Die Heimlichtuerei wurde eine zu große Belastung“, so Köhle gegenüber dem Tages-Anzeiger. Sein Antrag auf Befreiung vom Zölibat scheiterte in Rom. „Wäre es irgendwie möglich gewesen, wäre ich geblieben.“ Jetzt ist er Grundschullehrer.
Fall 2: Kaplan Michael Maurer (heute 39) sorgte 2019 in Trostberg bei München für Aufsehen: Vier Jahre nach seiner Priesterweihe gab er sein Amt auf. Zwei Jahre zuvor hatte er eine Frau kennengelernt. „Es würde mich zeitlebens reuen, wenn ich mein Leben nicht mit ihr verbringen würde“, erklärte er. Nach einem schweren Jahr voller Gebet sei seine Entscheidung gefallen, schrieb er dem Erzbistum München: „I hob des Gfui, da Herrgott losst mi geh.“ Statt seine Liebe in der Heimlichkeit zu führen, machte er reinen Tisch.
Fall 3: Im osthessischen Petersberg bei Fulda schockte Pfarrer Jan Kremer (heute 52) 2018 seine 5500 Gläubigen: Nach 21 Jahren als Diakon und Priester warf er das Amt hin – für ein Leben mit einer Frau. Er schrieb damals in seiner Erklärung: „Diese Lebensform, die für mich auch immer Einsamkeit bedeutet hat, kann ich nicht mehr länger für mich durchhalten.“ Tieftraurig führte er weiter aus: „Damit werde ich durch die Nichteinhaltung des Weiheversprechens vom Dienst als Priester suspendiert und darf in keiner Weise mehr priesterlich wirken oder im Dienst der katholischen Kirche arbeiten.“