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Kathmandu (Nepal) – Ein kleines Militärgelände, rund drei Stunden von der nepalesischen Hauptstadt entfernt. Seit der Flutkatastrophe starten und landen hier Helikopter im Minutentakt. Sie bringen Essen, Trinken, Medizin und Soldaten ins Krisengebiet. Zurück kommen die Helikopter mit Überlebenden und erschöpften Helfern. Oder mit Toten.

Es sind surreal wirkende Szenen, die sich auf dem Stützpunkt Mithila Army Barrack der nepalesischen Armee abspielen. Das durchgehende Dröhnen der Rotorblätter lässt das Geschehen noch dumpfer wirken, als es ohnehin schon ist. Wenn die Helikopter gelandet sind und ihre Türen aufspringen, muss alles ganz schnell gehen. Überlebende werden herausgehoben und zu einem Zelt geleitet, wo sie registriert und medizinisch versorgt werden. Die Leichen werden auf Tragen gehievt und zu einem speziell eingerichteten Lager gebracht.

Leichengeruch und spielende Kinder

Ein Beamter streut immer wieder Kalk auf die toten Körper. Das Pulver soll die Verwesung verhindern, doch der Leichengeruch überlagert trotzdem den ganzen Platz. Es sind einfach zu viele Tote. Nur wenige Meter entfernt harren die Überlebenden hinter Stacheldraht aus. Wie es weitergeht, weiß noch keiner. Die Menschen, die hierher gebracht wurden, haben alles verloren. Ihr Haus, ihr Feld, oft auch ihre Angehörigen. Viele von ihnen weinen. Einige Kinder spielen im Hintergrund, um sich von den schrecklichen Erlebnissen abzulenken.

Amapresh Sutikan ist einer der Menschen, die es aus dem Krisengebiet gerettet worden sind. Zu den BILD-Reportern sagt er: „Ich vermisse meine Mutter, hoffe jeden Tag, dass sie aus einem der Hubschrauber steigt. Ich will hier nicht weg, bis ich Gewissheit habe, wie es ihr ergangen ist.“ Seine Mutter lebte bei Bekannten im Trishuli-Tal, genau dort, wo die Flutwelle am Mittwoch alles zerstörte. Amapresh hat Wasser dabei und eine Decke. Beides wurde von einer Hilfsorganisation in der Nähe verteilt.

„Niemand wird zurückgelassen“

Ein Armee-Sprecher sagt zu BILD: „Wir haben heute bislang 569 Nepalesen und 20 Ausländer gerettet.“ Die Helikopter landen und starten durchgehend. Der kurze Aufenthalt auf dem Rasenplatz wird auch genutzt, um nachzutanken. Soldaten schleppen Kerosin in Eimern zu den Hubschraubern. Sie fixieren Trichter am Fluggerät, füllen nach.

Soldaten schleppen Reissäcke, Eimer voll mit Lebensmitteln und Wasser auf das Gelände. Den Piloten steht der Stress im Gesicht, doch niemand will hier in Nepal Zeit verlieren. „Wir fliegen und retten, wir fliegen und retten – niemand wird zurückgelassen“, so der Armee-Sprecher.