Berlin/Moskau – Trotz der politischen Eiszeit zwischen Berlin und Moskau gibt es einen Bereich, in dem die Geschäfte regelrecht brummen: deutsche Prothesen für Russland. Deren Export schoss in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um fast 19 Prozent hoch. Mit 112 Millionen Euro ist der Wert der Lieferungen auf Rekordkurs.
Wie WELT am Sonntag (gehört wie BILD zu Axel Springer) auf Grundlage von Exportdaten des Statistischen Bundesamtes errechnet hat, wurden seit 2020 nicht mehr so viele Prothesen nach Russland exportiert wie in diesem Jahr. Während die gesamten deutschen Ausfuhren für Kreml-Chef Wladimir Putin (74) im ersten Halbjahr 2026 um 2,9 Prozent zurückgingen, kletterten die Zahlen bei Prothesen deutlich nach oben.
Eigentlich belasten die EU-Sanktionen den Handel mit Russland massiv. Doch bei bestimmten Produkten gelten Ausnahmen. Dazu gehören neben Arzneimitteln auch Medizintechnik wie Prothesen – aus humanitären Gründen. Deshalb dürfen diese Waren weiterhin geliefert werden.
Und nicht nur Prothesen verzeichnen einen Boom. Besonders stark entwickelte sich der Export von Pharmaprodukten. Hier stiegen die Ausfuhren im ersten Halbjahr 2026 um rund 18 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro. Auch deutsche Landwirtschaftsmaschinen fanden deutlich häufiger den Weg nach Russland. Ihr Exportwert wuchs von rund 61 Millionen Euro auf etwa 89 Millionen Euro.
Bayer, Merck & Co. handeln mit Russland
Große Unternehmen verteidigen ihre Russland-Geschäfte mit dem Hinweis auf die Versorgung der Bevölkerung. Bayer erklärt, es würden ausschließlich „unverzichtbare Produkte“ vertrieben. Bayer ist in Russland aktiv, beschränkt sich dort nach eigenen Angaben aber auf Agrar- oder Gesundheitsprodukte (u.a. Aids-Medikamente).
Auch Merck und Boehringer Ingelheim betonen ihre humanitäre Verantwortung und verweisen auf lebenswichtige Medikamente. Der Landmaschinenhersteller Claas begründet seine Lieferungen damit, einen Beitrag zur weltweiten Nahrungsmittelversorgung leisten zu wollen.
Hintergrund: Seit Beginn des Angriffskriegs wurden nach westlichen Schätzungen weit mehr als eine Million russische Soldaten getötet oder verwundet.