Berlin – China überrollt Deutschlands Wirtschaft, Millionen Arbeitsplätze sind in Gefahr. Traut sich die Bundesregierung, Peking in die Schranken zu weisen?
Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer schlägt Sander Tordoir Alarm. Der Wirtschaftsexperte verfasste kürzlich ein Papier über den neuen „China-Schock“, das sogar bei Kanzler Friedrich Merz persönlich auf dem Schreibtisch landete. Der Chefökonom der Denkfabrik Centre for European Reform warnt: Die Chinesen sind eine „existenzielle Bedrohung“ für Deutschlands Wirtschaft – die Bundesregierung müsse sofort handeln!
Bereits 2015 habe Peking gigantische industriepolitische Programme verabschiedet, die Deutschlands Automobilindustrie ins Visier nahmen. Ziel war, „den chinesischen Import von deutschen Mittelstandsfirmen durch heimische Produktion zu ersetzen und dann die Weltmärkte zu erobern“, so Tordoir. Besonders gefährdet seien „kleine und mittelgroße Firmen, die hochspezialisierte Industrieprodukte herstellen“.
„China hat die Produktionskapazität, um 55 Millionen Autos pro Jahr zu bauen“
Deutschland sei für China „ein gutes Beispiel, das man nachmachen wollte“. Weil deutsche Firmen in China sehr aktiv waren, konnte Peking auch mit Zwang an die Technologie kommen und diese Technologien dann mit eigenen Firmen nachbauen.
Die Zahlen sind erschreckend – für Deutschland. Tordoir: „China hat die Produktionskapazität, um 55 Millionen Autos pro Jahr zu bauen. Das entspricht ungefähr 65 Prozent des globalen Automarktes.“ Schon jetzt sei das zu spüren: „Deutschland verliert jetzt momentan pro Monat zwischen 10.000 und 15.000 Arbeitsplätze in der Industrie. China ist einer der wichtigsten Faktoren in dieser Entwicklung.“
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass China seit dem Jahr 2019 Deutschland etwa 400.000 Industriearbeitsplätze gekostet habe. Aus der EU-Kommission gibt es die Schätzung, dass 29 Millionen Arbeitsplätze in der EU durch chinesische Überproduktion bedroht sein könnten – also fast alle Jobs im verarbeitenden Gewerbe.
EU spricht über China-Zölle
Warum herrscht bei der Bundesregierung in Berlin nicht absoluter Vollalarm angesichts solcher Zahlen?
„In der EU wird jetzt diskutiert, Schutzmaßnahmen zu treffen. Das heißt, dass man Ausgleichszölle erhebt auf Industrien, wo man eine Explosion an chinesischen Importen beobachtet“, so Tordoir. Möglich seien auch Subventionen für deutsche Unternehmen, um gegen die schwerstsubventionierte chinesische Konkurrenz zu bestehen.
Ja, China werde auf solche Maßnahmen reagieren, so der Experte. Doch das sei es wert: „Am Ende geht es um Deutschlands nationales Interesse als Standort und als Volkswirtschaft.“